Axa verkauft 900.000 Verträge : Auskauf bei Lebensversicherungen geht weiter

Nach der Generali und der Zurich gibt jetzt auch die Axa gut verzinste Verträge an einen Abwickler. Was das für die Kunden bedeutet.

Axa verkauft 900.000 Verträge : Auskauf bei Lebensversicherungen geht weiter

Fast jeder Bundesbürger hat eine Lebensversicherung. Aber die klassischen Verträge lohnen sich für die Versicherer nicht mehr.Foto: dpa-tmn/Jens Büttner

Der Ausverkauf von alten, gut verzinsten Lebensversicherungen geht weiter. Nach der Generali und der Zurich trennt sich mit der Axa nun die dritte große Gesellschaft von einem großen Teil ihrer Lebens- und Rentenversicherungen. Der französische Konzern teilte am Freitag mit, dass er 900.000 Verträge der ehemaligen DBV-Winterthur für 660 Millionen Euro an den Abwickler Athora Leben verkauft. Es handelt sich um Verträge, die in den Jahren bis 2013 abgeschlossen worden waren. Für die Axa sind diese Altverträge unattraktiv, weil viele von ihnen vergleichsweise hoch verzinst sind. Der Durchschnittszins der Policen in dem Portfolio liegt bei 3,2 Prozent. Diese langfristigen Zinsgarantien kosten die Versicherer viel Geld. In ihrem Neugeschäft bietet die Axa daher wie die meisten anderen Unternehmen keine Lebensversicherungen mit lebenslangen Zinsgarantien mehr an.

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Axa spricht von einem “Meilenstein”

Der Finanzchef des Pariser Konzerns, Frederic de Courtois, sprach am Freitag von einem „Meilenstein“. Axa will die Rückstellungen für traditionelle Garantien konzernweit um 30 bis 50 Milliarden Euro reduzieren, mit dem Verkauf in Deutschland seien 24 Milliarden Euro geschafft. Sollte die Finanzaufsicht Bafin zustimmen, soll der Deal bis Ende 2023 vollzogen werden. Axa will in einer Übergangsphase bis 2028 noch den Service für die Kunden übernehmen. Athora soll die Verträge, hinter denen Kapitalanlagen von rund 16 Milliarden Euro stehen, bis zum Ablauf weiterführen. Bereits Ende Juni hatte die Schweizer Versicherung Zurich mitgeteilt, dass sie rund 720.000 Lebensversicherungsverträge der Tochter Zurich Deutscher Herold mit einem Volumen von 21 Milliarden Euro an den Abwickler Viridium übertragen will. Viridium hatte zuvor bereits 2019 mehrere Millionen Verträge der Generali Deutschland übernommen.

Warum die Versicherer verkaufen

Für die Versicherer ist das Geschäft mit den klassischen Lebensversicherungen, die einen festen Garantiezins für die gesamte Laufzeit haben, durch die Niedrigzinsphase problematisch geworden. Denn die hohen Zinsgarantien der Vergangenheit lassen sich am Kapitalmarkt heute kaum noch erwirtschaften. Im Neugeschäft bieten die Unternehmen daher fast nur noch flexible Produkte an.

Axa verkauft 900.000 Verträge : Auskauf bei Lebensversicherungen geht weiter

Axa macht Ernst: Nach der Generali und der Zurich ist sie die dritte große Versicherung, die Bestände verkauft.Foto: IMAGO/ZUMA Wire

Der Verkauf von Altbeständen bietet den Versicherern die Möglichkeit, sich von den für sie teuren Altverträgen und den damit verbundenen Verpflichtungen zu befreien. Abwickler wie Athora, die Frankfurter Leben und Viridium profitieren dagegen von Größenvorteilen, indem sie die Portfolios mehrerer Versicherer übernehmen. Zudem arbeiten die Run-Off-Gesellschaften relativ kostengünstig. Das erlaubt ihnen, die laufende Verzinsung auch in schwierigen Zeiten stabil zu halten.

Wer hinter den Abwicklern steckt

„Eine spezialisierte Plattform kann Synergien nutzen, wenn mehrere kleine Bestände zu einem großen zusammengeführt werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg Asmussen. „Abgebende Unternehmen erhalten mehr Spielraum für ihren künftige Auftritt am Markt.“
Hinter den Abwicklern stehen Finanzinvestoren. Viridium gehört dem Finanzinvestor Cinven und der Hannover Rück, die Athora Leben mit Sitz in Wiesbaden ist Teil der in Bermuda ansässigen Athora Holding, hinter der maßgeblich der US-Finanzinvestor Apollo steckt.

Was ein Run-off für die Kunden bedeutet

Nach Meinung Asmussens hat der Verkauf an diese Gesellschaften nicht nur für die Versicherer, sondern auch für die Kunden Vorteile, weil diese von niedrigeren Kosten profitieren würden. „In jedem Fall gilt: Die Lebensversicherer stehen zu ihren Verpflichtungen“, versicherte Asmussen. „Die geschlossenen Verträge werden erfüllt. Die garantierten Leistungen werden erbracht.“
Verbraucherschützer sehen die Entwicklung dagegen deutlich weniger positiv. „Die Verträge werden auf das Abstellgleis geschoben“, sagte Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BDV) dem Tagesspiegel. Weil die Abwickler nicht mit anderen konkurrieren, müssten sie sich nicht darum bemühen, besonders attraktive Überschussbeteiligungen zu erzielen.

Was die Kunden tun können

Die Kunden werden bei solchen Deals nicht gefragt. Sie können nur reagieren, indem sie die Verträge vorzeitig kündigen oder beitragsfrei stellen. Boss rät jedoch von Schnellschüssen ab. Betroffene sollten stattdessen den Versicherungsrechner auf der Internetseite des Verbraucherverbands nutzen, um die verschiedenen Varianten durchzurechnen, oder sich vom BdV oder in den Verbraucherzentralen beraten lassen.

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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