Berliner Derby in der Fußball-Bundesliga : 1. FC Union besiegt Hertha BSC sicher mit 3:1

Der 1. FC Union startet mit einem verdienten Derby-Sieg gegen Hertha BSC in die Saison und untermauert damit seine Vormachtstellung im Berliner Fußball.

Berliner Derby in der Fußball-Bundesliga : 1. FC Union besiegt Hertha BSC sicher mit 3:1

Sheraldo Becker spitzelt den Ball zum 2:0 für Union ins Tor.Foto: Reuters/Annegret Hilse

Die Fans auf der Haupttribüne erhoben sich. Sie klatschten, während Jordan Siebatcheu auf dem Feld Abschied nahm. Als erster lief ihm sein früherer Berner Kollege Wilfried Kanga über den Weg, der an diesem Nachmittag ein blaues Trikot trug. Siebatcheu schüttelte ihm die Hand, rammte seine Brust gegen Kangas und verließ den Rasen. Unter dem lauten Applaus der Fans – und als frischer Derbyheld.

Nach einer halben Stunde war dem neuen Stürmer des 1. FC Union sein erstes Bundesligator gelungen. Und das gleich im Derby gegen Hertha BSC. Es war der Auftakt zu einem gelungenen Nachmittag in Rot und Weiß. Mit einem verdienten 3:1 (1:0)-Erfolg startete Union in die neue Spielzeit der Fußball-Bundesliga.

Die Köpenicker feierten damit nicht nur ihren vierten Derbysieg hintereinander gegen Hertha, erstmals seit dem Aufstieg vor drei Jahren konnten sie auch mit einem Sieg in eine Bundesligasaison starten. Für Hertha hingegen fängt die Spielzeit maximal ungemütlich an: Dem Erstrundenaus im DFB-Pokal folgte nun die deutliche Niederlage beim Lokalrivalen. Hertha, die einstige Nummer eins der Stadt, war Union in jeder Hinsicht unterlegen. Von Zufall wird man inzwischen nicht mehr reden können.

Beide Mannschaften hatten vor einer Woche, beim Saisonauftakt im Pokal, nicht unbedingt geglänzt. Die einen (Hertha) noch ein bisschen weniger als die anderen (Union). Trotzdem nahm Urs Fischer doppelt so viele Veränderungen an seiner Startelf vor wie sein Kollege bei den Gästen. Diogo Leite verteidigte anstelle von Domique Heintz in der Dreierkette, links spielte für Niko Gießelmann der Norweger Julian Ryerson – weil Fischer ein bisschen mehr Geschwindigkeit im Team haben wollte.

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Sandro Schwarz reagierte vor allem auf die Defensivschwächen, die Hertha gegen Zweitligist Eintracht Braunschweig im Pokal offenbart hatte. Innenverteidiger Dedryck Boyata, der frühere Kapitän, stand nicht einmal im Kader, aus sportlichen Gründen, wie Schwarz vor dem Anpfiff bestätigte. Den Platz des Belgiers nahm Neuzugang Filip Uremovic ein. Stürmer Kanga saß zunächst auf der Bank.

Auch mit veränderter Abwehr geriet Hertha gleich in arge Schwierigkeiten. In den ersten fünf Minuten stürzten die Gäste von einer Schwierigkeit in die nächste. Schon nach 30 Sekunden versuchte es Unions Mittelfeldspieler Rani Khedira aus vielversprechender Position. Sein Schuss wurde gerade noch geblockt. Auch die nächsten Angriffe überstand Hertha nur mit etwas Glück schadlos. Den Gästen schwirrte gehörig der Kopf.

Berliner Derby in der Fußball-Bundesliga : 1. FC Union besiegt Hertha BSC sicher mit 3:1

Hertha-Präsident Kay Bernstein versank im Laufe des Spiels immer tiefer in seinem Stuhl.Foto: Reuters/Annegret Hilse

Doch das Geschehen beruhigte sich anschließend erst einmal wieder. Hertha hatte den Ball, Union ließ den Lokalrivalen machen, ohne dass das eigene Tor in größere Probleme geriet. Der Mannschaft von Sandro Schwarz fiel wenig ein, ihr Spiel wirkte arg statisch und war damit nicht geeignet, die wie gewohnt gut organisierte Defensive Unions allzu sehr zu beunruhigen.

Herthas Offensivspieler Dodi Lukebakio, Davie Selke und Myziane Maolida fanden kaum statt, aus dem Mittelfeld mangelte es den Gästen sowohl an Ideen als auch an Dynamik. Vor der Pause bekam Unions dänischer Torhüter Frederik Rönnow nur einen Schuss auf sein Tor. Mit dem Freistoß von Herthas Kapitän Marvin Plattenhardt hatte er wenig Mühe.

Das konnte Rönnows Landsmann Oliver Christensen auf der anderen Seite nicht behaupten. Nach einer knappen halben Stunde musste er sich arg strecken, um Ryersons Schuss noch zur Ecke zu lenken. Der Norweger bestätigte das Vertrauen seines Trainers Fischer. Über die linke Seite erzeugte Union immer wieder Gefahr, was auch daran lag, dass Jonjoe Kenny, Herthas Rechtsverteidiger, sich nicht immer allzu geschickt verhielt.

Jordan Siebatcheu brachte Union mit seinem Kopfball-Tor auf die Siegerstraße

Auch vor Unions Führungstreffer sah der Engländer nicht gut aus. Er war zu weit weg von seinem Gegenspieler Sheraldo Becker, der von links in die Mitte flankte. Jordan Siebatcheu, Unions neuer Stürmer, lief Richtung erstem Pfosten und erwischte den Ball mit dem Kopf vor Innenverteidiger Marc Kempf. Christensen hatte keine Abwehrchance, so dass der US-Amerikaner seinem Treffer im Pokal gegen Chemnitz gleich ein weiteres Tor bei seinem Bundesligadebüt folgen ließ.

Zur Pause führte Union verdient, zumal der auffällige Ryerson mit einem abgefälschten Schuss nur knapp das 2:0 verfehlt hatte. Trainer Schwarz verzichtete trotz der Unterlegenheit seiner Mannschaft und der offenkundigen Mängel auf personelle Veränderungen – mit der Folge, dass die zweite Halbzeit ähnlich begann wie die erste: Hertha sah sich sofort wieder vor arge Probleme gestellt.

Der entscheidende Unterschied war, dass der 1. FC Union seine Überlegenheit diesmal schon früh zu einem weiteren Torerfolg nutzte. Nachdem Siebatcheu zunächst noch mit einem Kopfball an Christensen gescheitert war, traf sein Sturmpartner Becker zum 2:0. Janik Haberer, in diesem Sommer aus Freiburg gekommen, überspielte mit einem klugen Pass Herthas Abwehr, Uremovic musste Becker laufen lassen, Christensen hatte keine Abwehrchance mehr.

Berliner Derby in der Fußball-Bundesliga : 1. FC Union besiegt Hertha BSC sicher mit 3:1

Choreo der Union-Fans vor dem Spiel.Foto: dpa/Andreas Gora

Nun reagierte auch Schwarz, bereitete gleich drei Spieler zur Einwechslung vor, doch noch bevor die Wechsel vollzogen werden konnten, hieß es bereits 3:0 für den 1. FC Union. Nach einer Ecke setzte sich dessen Innenverteidiger Robin Knoche per Kopf gegen Boateng durch, der Ball flog knapp am Pfosten vorbei ins Tor. Christensen, obwohl noch leicht irritiert von Rani Khedira, sah in dieser Szene alles andere als gut aus.

Der Linienrichter hatte wegen Khediras Eingreifen zunächst seine Fahne gehoben. Die Begutachtung durch den Videoassistenten ergab allerdings, dass keine Abseitsposition von Unions Mittelfeldspieler vorgelegen hatte – der Treffer zählte.

Schwarz brachte Stevan Jovetic, Ejuke Chidera und Kanga und damit alles, was seine Bank an Offensivkräfte noch bereithielt. Mittelstürmer Kanga hatte gleich nach seiner Einwechslung eine gute Gelegenheit. Sein Torschuss aber, der erste von Hertha aus dem Spiel heraus, kam zu zentral, um Rönnow ernsthaft zu belästigen. Nur Lukebakio konnte Unions Torhüter noch zum 1:3 bezwingen. Aber da waren nur noch fünf Minuten zu spielen. Zu wenig für eine echte Wende.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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