Berliner Dialyse-Praxen vor dem Aus

Berliner Dialyse-Praxen vor dem Aus

Dr. Erika Eger ist Nierenärztin aus Leidenschaft Foto: Ralf Günther

Nierenfachärztin Dr. Erika Eger weiß nicht mehr, wie es weitergeht. Grund sind die gekürzten Pauschalen der Krankenkassen.

Nierenfachärztin Dr. Erika Eger (68) hat vor 44 Jahren ihren Beruf ergriffen, weil sie kranken Menschen helfen wollte. Menschen, die verzweifelt sind. Heute ist sie selbst verzweifelt.

Sie, die Retterin der Nierenkranken, könnte eigentlich stolz sein auf das, was sie erreicht hat: eine Dialyse-Praxis mit drei Standorten in Treptow und Mitte. Ihre 52 Mitarbeiter betreuen 120 Patienten rund um die Uhr.

Doch die Institution steht vor dem Aus. „Ich weiß nicht, wie dieser Monat zu Ende geht“, sagt Dr. Eger. Auch anderen selbstständigen Dialyse-Ambulanzen droht der Kollaps. Zehn Betreiber haben in Berlin und Brandenburg bereits aufgegeben.

Das Problem: 2013 kürzten der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung die sogenannte Dialyse-Sachkostenpauschale.

Berliner Dialyse-Praxen vor dem Aus

Patient Horst Linow (86) erhält dreimal die Woche eine Dialyse in der Praxis Puschkinallee in Treptow (Foto: Ralf Günther)

Davon bezahlt Eger sämtliche Kosten: Personal mit Nacht- und Feiertagszuschlägen (2,4 Millionen Euro jährlich), Wartung der 33 Dialyse-Maschinen (200.000 Euro jährlich), Wasser (26.000 Euro) und Strom (57.000 Euro).

„Die Kosten stiegen um 13 Prozent, für das Personal sogar um 64 Prozent“, so die Ärztin.

Von 527 Euro für drei Dialysen in der Woche pro Patient wurde auf ein Stufensystem umgestellt. Je mehr Patienten, desto weniger Geld. Bei 120 Patienten bekommt Eger 417,50 Euro pro Woche und Patient.

„Jede Tag-Dialyse ist mit elf Euro, jede Nacht-Dialyse mit 31 Euro unterfinanziert“, klagt sie. 120.000 Euro hätte sie im vergangenen Jahr Minus gemacht. „Um die Kosten tragen zu können, habe ich meine Lebensversicherung aufgelöst.“

„Den Vorwurf einer Unterfinanzierung der Dialyse-Praxen können wir nicht nachvollziehen und weisen ihn deutlich zurück“, sagt ein Sprecher des GKV-Spitzenverbandes zur B.Z. Im Durchschnitt verdiene ein Nephrologe mehr als das Doppelte als Ärzte anderer Fachrichtungen.

Dem widerspricht eine Sprecherin des Verbandes Deutsche Nierenzentren. „Der ganze Mehraufwand ist durch die Pauschale nicht abgebildet“, entgegnet sie. Sie warnt: „Dialyse-Praxen können nicht mehr unterhalten werden, die Versorgung der nierenkranken Menschen ist bedroht.“

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Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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