Bundespräsident kommt nicht zum Presseball : Steinmeier sagt Teilnahme an „Solidaritätsball für die Ukraine“ ab

Traditionell eröffnet das Staatsoberhaupt den Bundespresseball. In diesem Jahr ist ein Zeichen der Solidarität für die Ukraine geplant. Doch Steinmeier sagt ab.

Bundespräsident kommt nicht zum Presseball : Steinmeier sagt Teilnahme an „Solidaritätsball für die Ukraine“ ab

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sFoto: IMAGO/Chris Emil Janßen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seine Teilnahme am Bundespresseball an diesem Freitag abgesagt. Der Bundespräsident sei der Auffassung, dass aktuell „nicht die richtige Zeit“ für einen Ball sei, hieß es aus dem Bundespräsidialamt. Ausschlaggebend für die Absage sei der Krieg in der Ukraine.

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Die jährlich stattfindende Veranstaltung soll in diesem Jahr allerdings ein „Solidaritätsball für die Ukraine“ sein. Eingeladen ist auch der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk, der kürzlich schwere Vorwürfe gegen Steinmeier erhoben hatte.

Der Bundespresseball wird von der Bundespressekonferenz ausgerichtet, einem von der Regierung unabhängigen Verein von Journalistinnen und Journalisten, die aus der Hauptstadt über die deutsche Politik berichten. Bei der Veranstaltung hat der Bundespräsident traditionell eine kleine, aber nicht unwichtige Rolle: Er eröffnet den Ball mit dem ersten Tanz.

Wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine will der Verein, der den Ball ausrichtet, ein Zeichen setzen: „In diesem Jahr ist der Bundespresseball auch ein Solidaritätsball für die Ukraine“, teilte der Verein mit.

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Geplant ist eine Spendenaktion für ukrainische Journalistinnen und Journalisten, schon im Vorfeld werden die Mitglieder der Bundespressekonferenz zu Spenden aufgerufen.

Steinmeier kommt nicht, will aber spenden

Steinmeier teilte dem Verein nun mit, er nehme gern die Gelegenheit wahr, sich mit einer Spende zu beteiligen. „Von der Teilnahme am Bundespresseball möchte der Bundespräsident in diesem Jahr absehen“, heißt es in der offiziellen Antwort auf die Einladung.

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Melnyk hatte den Bundespräsidenten kürzlich in einem Tagesspiegel-Interview scharf angegriffen. Steinmeier habe seit Jahrzehnten ein „Spinnennetz der Kontakte mit Russland geknüpft“, sagte der Botschafter.

Das Verhältnis zu Russland sei für den Bundespräsidenten „etwas Fundamentales, ja Heiliges, egal was geschieht“. Kurz nach dem Erscheinen des Interviews gab Steinmeier erstmals eigene Fehler in der Russland-Politik zu.

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Zuletzt hatte es einen diplomatischen Eklat gegeben, nachdem die Ukraine signalisiert hatte, dass ein geplanter Besuch Steinmeiers in Kiew gemeinsam mit den Staatschefs aus Polen und den baltischen Staaten nicht willkommen sei.

Im Bundespräsidialamt wird bestritten, dass die Absage mit Steinmeiers Verstimmung über Melnyk in Zusammenhang stehen könnte. Mit der Person des ukrainischen Botschafters habe diese Absage „null“ zu tun. Ob Melnyk an dem Ball teilnimmt, war am Montagmorgen noch unklar.

Transparenz-Hinweis: Die Autorinnen sind Mitglieder des Vereins Bundespressekonferenz.

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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