Clash of Cultures in Serie : Hollywood trifft auf Franco

„Arde Madrid“, eine hinreißende spanische Serie mit Ava Gardner in Madrid 1961.

Clash of Cultures in Serie : Hollywood trifft auf Franco

„Ich bin nicht katholisch“. Ava Gardner (Debi Mazar) hat nicht vor, ihren exzentrischen Lebensstil den Sitten und Gebräuchen in…Foto: WDR/Movistar Jorge Fuembuena

Nein, es muss jetzt keiner an seinem Fernsehapparat herumbasteln. Die Serie startet in Schwarzweiß und behält dieses Farbenmuster über ihre acht Episoden bei. Dabei treiben es die Figuren in “Arde Madrid” bunt, sehr bunt.. Und das im Jahr 1961. Hollywood-Diva Ava Gardner (Debi Mazar) flieht vor ihrem Ehemann Frank Sinatra, dem Hollywood-Studio und den Paparazzis. Das Motto der Schönen und Flamboyanten ist einfach: „Ich bin nicht katholisch.“ Sie feiert, liebt Stierkämpfe, isst gerne, trinkt noch lieber – sie lebt ein freies, ungezügeltes Leben, eben Diva-gerecht. Und dieses Leben ist ein harter Kontrast zum Leben der Frauen im Franco-Spanien, sie leben in eingeschränkten Verhältnissen, was das Verhältnis zu Männern, Sexualität, Ehe und Katholizismus angeht.

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Wie eng, gar prekär die Verhältnisse sind, zeigt sich insbesondere am Dienstpersonal der Garner. Vorneweg Ana Maria (Imma Cuesta), fest verankert im Glauben, prinzipienfest in der eigenen Spießigkeit, behindert beim Gehen, hebt den rechten Arm, sobald der Name „Franco” fällt. Und jetzt wird sie ausgewählt, eigentlich erpresst wegen ihres Tunichtgut-Bruders Floren (Julián Villagrán), Ava Garner auszuspionieren. Dreht sie nicht demnächst einen Film, der in China spielen soll? Sehr kommunistisch, sehr verdächtig, muss unter die Lupe genommen werden.

[„Arde Madrid“, ARD-Mediathek, alle Folgen]

Die Diva verlangt ein Ehepaar als Haushaltsgehilfen, also wird Manolo (Paco León) zum Chauffieren, ein attraktiver, frauenaffiner Opportunist mit Hang zu kriminellen Geschäften. Dritte im Bunde ist die sehr junge Pilar (Anna Castillo), lebenshungrig, schwanger, fasziniert von allem, was ein aufregendes Leben zu bieten hat.

Isabella Perón mischt auch mit

Und dann sind das noch der argentinische Ex-Präsident im spanischen Exil, General Juan Domingo Perón (Osmar Nunez) und seine ehrgeizige Frau Isabella (Fabiana Garcia Lago), die dringend nach Argentinien zurückkehren und First Lady werden möchte. Der Menschenzoo ist bei „Arde Madrid“ gut gefüllt.

Pilar wie auch Manolo stehen zwischen Ana Maria und Ava Gardner, zwischen dem Rigiden und dem Exaltierten, zwischen Lebenszwang und Lebensfreude. Und es wird die Diva sein, an deren way of life sich Ana Maria orientieren, der sie in ihrer Grundfestigkeit erschüttern wird.

„Arde Madrid“ ist von Paco León und Anna R. Costa für den spanischen Streamingdienst Movistar erdacht worden. Leon und Costa haben auch die Bücher geschrieben und Regie geführt. Dieses Engagement macht die Serie nicht enger noch egoistischer, es wird spürbar, wie sehr die Verantwortlichen wissen, was sie wollten: eine historische Serie, nein, eine Serie, die bei der Historie reale Anleihe nimmt und Elemente von Thriller, Romanze und historischer Serie verknüpft. Und aus der Perspektive der Hausangestellten erzählt wird.

Clash of Cultures

Und in all der schwarzweißen und 1961-Ausstattungsgenauigkeit findet sich eine Menge überaus komischer wie berührender Szenen: Eben ein Clash of Cultures, von Franco und Nicht-Franco, von Spanien und Hollywood, von Frau und Frau mit den Männern in angemessenen Nebenrollen.

Diese Serie ist eine Entdeckung wert, wegen ihrer konzisen Inszenierung und einer Ensembleleistung wegen, bei der zwischen den Schauspielerinnen und Schauspieler kein Gefälle, sondern nur die jeweilige Gratwanderung der Figur zu bewundern gilt.

„Arde Madrid“ lässt sich als zeitgebundenes Sittenbild sehen, durch ihren Realismus/Sarkasmus schimmert aber auch eine Komödie über das Wesen der Menschen, von Mann und Frau und der Schauspielerei heraus.

Vielleicht ist es nur Einbildung, vielleicht ist es doch Wirkung: Das Schwarzweiße zeigt alles klarer, macht sichtbar, wo sich im Buntfernsehen die Farben gegenseitig auffressen würden.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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