„Das war für mich nur dunkel gegen dunkel“ : Für Fans mit Farbsehschwäche ist jedes dritte Bundesligaspiel ein Sehen im Ungewissen

Menschen mit Farbsehschwäche stehen im Fußball vor Schwierigkeiten. Ein Verband will das ändern.

„Das war für mich nur dunkel gegen dunkel“ : Für Fans mit Farbsehschwäche ist jedes dritte Bundesligaspiel ein Sehen im Ungewissen

Beim Spiel zwischen Hertha BSC und dem VfB Stuttgart war es für Jan Spiegelberg “nur dunkel gegen dunkel”.Foto: IMAGO/Nordphoto

Am 6. September ist der „Colour Blind Awareness Day“. Alljährlich soll an diesem Datum auf Menschen aufmerksam gemacht werden, die eine Farbsehschwäche haben.

Das Datum ist der Geburtstag von Wissenschaftlers John Dalton, der vor 250 Jahren die Rot-Grün-Sehschwäche („Daltonismus“) entdeckte, Dalton litt selbst darunter. In verschiedenen Facetten betrifft Farbsehschwäche acht Prozent der Männer und 0,5 Prozent der Frauen. Das stellt die Betroffenen natürlich vor Schwierigkeiten im Alltag – und es ist auch ein Problem für Fußballfans mit Farbsehschwäche in den Stadien der Fußball-Bundesliga.

Der Interessenverband der Farbsehschwachen und Farbenblinden (IFFarb) setzt sich seit langem damit auseinander und hat nun die vergangene Bundesligasaison (erste und zweite Liga) analysiert und dabei – verkürzt – festgestellt, dass für Fans mit Farbsehschwäche jedes dritte Bundesligaspiel ein Sehen im Ungewissen ist.

Am Häufigsten waren Spiele des FSV Mainz 05 (25) und des Hamburger SV (20) betroffen, dabei schreiben die Statuten der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vor, dass „die Haupt- und Ersatzspielkleidungen für Spieler einen deutlichen Kontrast (hell und dunkel) bilden müssen, so dass sie in einem Spiel von zwei gegnerischen Mannschaften getragen werden könnten.“

Die fehlenden Kontraste sind ein Problem

In der Bundesliga spielen nämlich die fehlenden Kontraste für Menschen mit Farbsehschwäche die größere Rolle: Von 105 von der IFFarb als problematisch eingeordneten Spielen aus der Vorsaison waren nur 15 Spiele in Kombination von grüner und roter Farbe.

Jan Spiegelberg, Mitgründer von IFFarb, erinnert sich an ein Spiel zwischen Hertha BSC und dem VfB Stuttgart aus dem Frühling: „Da war ich völlig baff, dass Hertha im dunkelblauen Auswärtstrikot gegen die roten Stuttgarter gespielt hat. Das war für mich nur dunkel gegen dunkel.“

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Er habe sich das dann erklären lassen. „Hertha hatte am Spieltag zuvor auswärts in Augsburg gewonnen und Herthas Trainer Felix Magath wollte dann auch zu Hause aus Aberglauben in den Auswärtstrikots bleiben.“

Was natürlich bitter war für Zuschauende mit Farbsehschwäche. Inzwischen aber, sagt Spielgelberg, liefen die Gespräche mit der DFL sehr gut. Er hoffe, dass sich zur kommenden Bundesliga-Saison maßgeblich etwas ändert. „Die DFL stößt da schon was an bei den Klubs“, sagt er. „Das Bewusstsein wächst.“

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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