Deutsches Symphonie-Orchester : Hedwig und der weiße Hai

Das DSO spielt unter der Leitung von Christian Schumann Soundtracks von John Williams, Franz Waxman und Erich Wolfgang Korngold.

Deutsches Symphonie-Orchester : Hedwig und der weiße Hai

Dirigent Christian Schumann liebt Filmmusik.Foto: Jorge Cueto

Filmmusik bringt Leute in die Konzertsäle, die bislang nicht daran gedacht haben, dort freiwillig Zeit zu verbringen. Die Veröffentlichungen zum 90. Geburtstag von John Williams bescheren den Klassik-Labels aktuell Verkaufszahlen, die jede Krise vergessen lassen. Musik, die der Spannungskurve des Kinos dient, ist so populär, dass sie im Radio für den Konzertsaal geschriebene Werke auf die Randsendeplätze verweist. Diese Tendenzen sind auch ins Programmmuster des rbb-Kulturradios übergegangen, das nun, allen kritischen Stimmen zum Trotz, mit einem live gesendeten Konzert in die Filmmusik-Offensive geht.

Die Zutaten im Großen Sendesaal sind ebenso seriös wie auf einen feinen dramaturgischen Lerneffekt hin ausgewählt. Auf dem steil aufragenden Podium hat das Deutschen Symphonie-Orchester Platz genommen, am Pult steht mit Christian Schumann nicht nur ein erfolgreicher Einspringer, sondern ein junger Dirigent, der sich ganz selbstverständlich mit dem Genre Filmmusik beschäftigt.

Knut Elstermann moderiert gefühlig

Außerdem hat “Radio Eins” seinen Filmkritiker Knut Elstermann als Moderator vorbeigeschickt, der das Publikum im Saal dazu einlädt, ruhig mal Emotionen zu zeigen. So gefühlig hätte Elstermann seine Aufgabe gar nicht interpretieren müssen, wo einem hier doch unentwegt Höhepunkte um die Ohren sausen.

Wer je an der Macht der Filmmusik gezweifelt hat, ist noch nicht unter den Einfluss von John Williams’ „Imperial March“ aus „Star Wars“ geraten, mit dem das Konzert in wuchtiger Düsternis anhebt – und das DSO beweist, dass es auch nach einem Kinderkonzert am Mittag abends noch richtig zupacken kann.

Hollywood-Sound im RBB-Sendesaal

Riesenjubel nach der ersten Nummer und „Hedwig’s Theme“ aus „Harry Potter“, das nicht nur die magische Welt, sondern für viele auch das Tor zu einer Musik öffnet, die in den großen Orchesterwerken der Spätromantik wurzelt. Nicht zuletzt die vor den Nazis geflohenen Komponisten Franz Waxman und Erich Wolfgang Korngold prägten den Sound von Hollywood, der im Großen Sendesaal würdevoll wieder auflebt.

Hinweise auf „symphonische Strukturen“ helfen beim Verständnis von Filmmusik wenig, ihre hörpsychologische Kraft dagegen ist ein faszinierendes Thema, geeignet für Fortsetzungen. Oder wie Dirigent Christian Schumann es formuliert: „Versuchen Sie mal, den ,Weißen Hai’ ohne Tonspur zu sehen und dabei nicht einzuschlafen.“ Moderator Elstermann hingegen wählt die Abkürzung und empfiehlt, was seinem Herz am nächsten ist: einen Besuch im Kino.

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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