Doku über Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein : Die Komplizin des “Raubtiers”

Die ARD zeigt eine dreiteilige Dokumentation über Ghislaine Maxwell, die ihrem Gefährten Jeffrey Epstein minderjährige Mädchen zuführte

Doku über Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein : Die Komplizin des "Raubtiers"

Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein, das vermeintliche Traumpaar der Reichen und Schönen.Foto: obs

Bei dieser wahren Geschichte aus der Welt der „Reichen und Schönen“ wird es ziemlich eklig: Weil ihr Freund, der wohlhabende Investmentbanker, angeblich drei Mal am Tag seinen Orgasmus braucht, schafft seine Gefährtin, Tochter eines verstorbenen Medienmoguls, am laufenden Band minderjährige Mädchen heran. Sie ist attraktiv, besitzt Charme, versteht es, Vertrauen aufzubauen – und was soll schon geschehen, wenn man von einer Frau, die noch dazu in der Promi-Welt zu Hause und mit US-Präsidenten bekannt ist, eingeladen wird? Eines der Opfer sagt später als erwachsene Frau vor der Kamera, sie habe sich dieser Frau nach dem ersten Gespräch so verbunden gefühlt. „Sie bereitete mich darauf vor, freiwillig in das Haus dieses Raubtiers zu gehen.“

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Das „Raubtier“ ist Investmentbanker Jeffrey Epstein, der sich im August 2019 während der Untersuchungshaft das Leben nahm. Seine Komplizin Ghislaine Maxwell wurde im Dezember 2020 unter anderem wegen Menschenhandels verurteilt. Ende Juni setzte das Gericht in New York das Strafmaß von 20 Jahren Haft für die 60-Jährige fest. Und weil der Fall bizarr und aufsehenerregend ist, kommt nur wenige Wochen später der Doku-Dreiteiler „Wer ist Ghislaine Maxwell?“ auf den Markt. Man erwartet eine solche „True-Crime-Serie“ nicht unbedingt zuerst bei der ARD, doch der SWR schnappte sich die Lizenzrechte und präsentiert nun stolz die „weltweit mit Spannung erwartete Doku-Serie“, wie der Sender etwas überdreht formuliert. Nach der Ausstrahlung steht der für den britischen Privatsender Channel 4 und den US-amerikanischen Pay-TV-Sender Starz produzierte Dreiteiler auch 90 Tage in der ARD-Mediathek zur Verfügung.

[“Wer ist Ghislaine Maxwell?”, ARD, Montag, drei Episoden, 22 Uhr 15]
Dokumentarfilmerin Erica Gornall konnte mehrere Frauen dazu bewegen, vor der Kamera über ihren erlittenen Missbrauch zu sprechen. Darunter Maria Farmer, die Mitte der 1990er Jahre als junge Kunststudentin einen Job im New Yorker Anwesen von Epstein annahm. Sie zeigte Epstein und Maxwell nach eigenen Angaben schon 1996 an, doch Folgen hatte das keine. Wie damit genau bei Polizei und Staatsanwaltschaft verfahren wurde, recherchiert die Autorin nicht, aber die notwendige Sensibilität für das Thema Missbrauch war Jahrzehnte vor der MeToo-Bewegung zweifellos nicht vorhanden. “Hunderte von jungen Mädchen hätten gerettet werden können”, sagt David Boies, “Anwalt einiger Überlebender”, wie es im Film heißt.

Dem Vater zu Diensten

Schon bevor es zu der verhängnisvollen Verbindung mit Epstein kam, war Ghislaine Maxwell eine Frau, die einem erfolgreichen, mächtigen Mann alle Wünsche zu erfüllen versuchte – ihrem Vater, dem Verleger Robert Maxwell. Ghislaine, das jüngste von neun Kindern, war seine Lieblingstochter, intelligent, nicht besonders fleißig, aber ehrgeizig und in der Yuppie-Zeit der 1980er Jahre Mittelpunkt aller Partys in Oxford. Autorin Gornall interviewt ehemalige Kommilitoninnen, Arbeitskollegen und auch Mike Malone, den persönlichen Fotografen von Robert Maxwell, der mit dem “Daily Mirror” eine auflagenstarke Zeitung in Großbritannien herausgab.

Verkuppeln kann sie am besten

Ghislaine tat schon damals das, was sie offenbar am Besten kann: Verkuppeln. Vornehmer ausgedrückt: Kontakte vermitteln, den ruppigen Vater mit den wichtigsten Personen der britischen Oberschicht zusammenbringen. Im November 1991 verschwand Robert Maxwell, der sich mit der Expansion in die USA (“Daily News”, “The European”) überhoben und Bilanzen gefälscht hatte, vor den Kanarischen Inseln im Mittelmeer – bei einer Fahrt mit seiner Jacht “Lady Ghislaine”. Ob er sich freiwillig in die Fluten stürzte, ist unbekannt. Ghislaine Maxwell gründete später übrigens eine Stiftung zur Rettung der Ozeane. Und als einen der wenigen O-Töne hat die Autorin ein Zitat ausgewählt, in dem Ghislaine Maxwell ihre Leidenschaft für das Wasser und das Meer erklärt. Man darf wohl feststellen, dass ihre Biographie auch in psychologischer Hinsicht ausgesprochen interessant ist.

Verstörend ist vor allem, dass Epstein und Maxwell über Jahre ungeschoren blieben. Da müssen einige die Augen und Ohren ganz fest verschlossen haben. Das Ehepaar, das Epsteins Luxus-Anwesen auf der Insel Little St. James in der Karibik bewirtschaftete, wirkt noch heute verstörend loyal. Dagegen bringen einige wie die Schriftstellerin Christina Oxenberg Schuldgefühle zum Ausdruck. Eine ehemalige Kommilitonin von Ghislaine Maxwell sagt: “Will denn niemand die Wahrheit wissen? Wahrscheinlich nicht, wenn die Party gut ist.”

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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