Gastronomen müssen aufpassen – aber Parklets können rumstehen

Gastronomen müssen aufpassen – aber Parklets können rumstehen

B.Z.-Redakteur Stefan Peter kritisiert das zweierlei Maß bei Gastronomie und Parklets Foto: Stefan Peter/BZ-Montage

Einmal in der Woche schreiben an dieser Stelle B.Z.-Redakteure über Dinge, die sie wirklich stören. Heute Stefan Peter über das Messen mit zweierlei Maß bei Gastronomie und Parklets.

Von Stefan Peter

Gastronomen, die Tische vor ihrem Lokal aufstellen wollen, müssen höllisch aufpassen: Wenn die nämlich ein paar Zentimeter zu weit in den Gehweg ragen, kommt schon mal das Ordnungsamt mit dem Maßband vorbei und droht mit saftigen Strafen. Wenn jedoch die Ideologie stimmt, darf man in Berlin monatelang illegal öffentliches Straßenland blockieren.

Im Sommer vergangenen Jahres wurden in Prenzlauer Berg neue Parklets aufgestellt. Der Verein PowerShift (Ziel: „Selbstverteidigung gegen den globalen Raubbaukapitalismus“) platzierte die großen Sitzmöbel unter anderem in der Dunckerstraße und in der Gudvanger Straße. Damit wolle man „auf die Probleme der ungerechten Flächenverteilung des öffentlichen Straßenlandes hinweisen“.

Bis zum heutigen Tag nutzt kaum ein Anwohner oder Spaziergänger die Parklets. Könnte daran liegen, dass eins dieser Exemplare direkt an einem Park steht – und sich die Leute bei schönem Wetter lieber auf Bänke oder sogar auf die grüne Wiese setzen.

Dafür sind die Parklets meist vermüllt und mit Graffiti übersät. Also eher ein bunter Schandfleck als ein Mahnmal gegen eine angeblich ungerechte Flächenverteilung.

Die Genehmigung für die beiden Parklets lief laut Bezirksamt bereits am 31. Oktober aus! „Bisher wurden die Parklets nicht erneut erlaubt“, schrieb mir Ordnungsstadträtin Manuela Anders-Granitzki am 15. März.

In der Woche darauf fragte ich nach: Wie kann es sein, dass Parklets mehrere Monaten lang ohne Genehmigungen auf öffentlichem Straßenland stehen?

Müssten die nicht umgehend beseitigt werden? Warum wird in diesem Fall so viel Nachsicht geübt? Eine Antwort auf meine Fragen habe ich bis zum heutigen Tage nicht bekommen.

Vielleicht sollten Gastronomen ihre Terrassen-Tische künftig einfach als Kunstobjekt oder als Protest gegen die böse Systemgastronomie deklarieren. Im Pankower Rathaus hätte man dafür bestimmt Verständnis.

Gastronomen müssen aufpassen – aber Parklets können rumstehen

 

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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