„Gefährlichster Einsatz seit dem Krieg“ : 700 Grad heißer Boden im Grunewald – Autobahn und Bahnstrecke bleiben gesperrt

Sperrkreis wird vorerst nicht aufgehoben + Feuerwehr muss Bomben kühlen + Sprengmeister erkundet Sprengplatz im Panzer + Rauch zieht nach Steglitz-Zehlendorf + Der Blog zum Brand.

„Gefährlichster Einsatz seit dem Krieg“ : 700 Grad heißer Boden im Grunewald – Autobahn und Bahnstrecke bleiben gesperrt

Einsatzkräfte der Berliner Polizei bewerten die Lage rund um den Sprengplatz im Grunewald.Foto: Annegret Hilse/REUTERS

Auch mehr als einen Tag nach Ausbruch eines Feuers und mehreren Explosionen auf einem Sprengplatz der Polizei im Berliner Grunewald dauern die Löscharbeiten an. Die Feuerwehr sprach vom „gefährlichsten Einsatz seit dem Krieg“. Der Sprengmeister der Polizei erkundete am Morgen in einem Bergepanzer der Bundeswehr den Sprengplatz. Von zwei heißen Weltkriegsbomben geht weiterhin Gefahr aus, die Feuerwehr muss sie kühlen. Die Flächenbrände drumherum konnten weitgehend gelöscht werden. Allerdings gibt es im südlichen Bereich noch Feuer, teils mit massiver Rauchentwicklung – der Rauch zieht nach Steglitz-Zehlendorf. Die Autobahn bleibt vorerst gesperrt. S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr der Bahn sind ebenfalls unterbrochen bzw. werden umgeleitet. (Mehr unten im Liveblog.)

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„Gefährlichster Einsatz seit dem Krieg“ : 700 Grad heißer Boden im Grunewald – Autobahn und Bahnstrecke bleiben gesperrt

Weltkriegsbomben müssen gekühlt werden – Autobahn und Bahnstrecke bleiben gesperrt

Feuerwehr, Polizei und weitere beteiligte Institutionen haben soeben in einer Pressekonferenz den aktuellen Stand der Brandbekämpfung im Grunewald bekanntgegeben. Demnach stellt der Sprengplatz weiterhin das zentrale Problem dar. Während eine Ausbreitung des Feuers verhindert werden konnte, ist noch unklar, wann von dem Platz selbst und den dort gelagerten Sprengstoffen keine Gefahr mehr ausgehen wird.
Neben einigen Bodenbränden im Grunewald gebe es auch abseits der offenen Feuer noch 700 Grad heißen Erdboden, berichtete Polizeisprecher Thilo Cablitz über thermische Messungen. Der Sprengmeister der Polizei hatte am Morgen mit einem Bundeswehr-Panzer die Fläche erkundet, sämtliche Messdaten und Bilder werden nun ausgewertet. Zudem seien noch zwei Weltkriegsbomben zu heiß und müssten gekühlt werden.
Von der Sicherheit der Bomben und der Munition hänge aber ab, ob man den Sperrkreis von derzeit 1000 Metern verringern könnte, erklärte Landesbranddirektor Karsten Homrighausen für die Feuerwehr. Erst wenn Autobahn und Bahnstrecke außerhalb dieser Zone liegen, könne man den Verkehr wieder freigeben. Wann dies soweit sei, lasse sich nicht abschätzen – dafür bräuchte er eine “Kristallkugel”, sagte Homrighausen.
Erst wenn die Kühlungen erfolgreich seien und die Gefahr sinke, könne der Sperrkreis auf 600 Meter Radius verringert und dann auch die Autobahn und die Bahnstrecken wieder freigegeben werden, sagte Polizeisprecher Cablitz. Feuerwehrchef Homrighausen betonte: „Es ist der Sicherheit geschuldet.“ Bei weiteren Explosionen von Munitionsresten könne Material weit geschleudert werden. Derzeit gebe es aber keine Detonationen mehr. Die Sprengexperten hätten drei Gefahrenbereiche erkannt, dort werde die Feuerwehr gezielt kühlen.
Ein Löschen aus der Luft durch Hubschrauber sei nicht nötig gewesen, betonte Brigadegeneral Jürgen Uchtmann. Stattdessen habe man mit einem Bergepanzer fünf Kilometer lange Schneisen durch den Wald gezogen, damit die Löschfahrzeuge an das Feuer herankämen. „Die dürfen nach Ende der Krise als wunderschöne, breite Wander- und Radwege der Berliner Bevölkerung zur Verfügung stehen.“
Bisher gab es lediglich einen Verletzten, ergänzte Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein. Ein Feuerwehrmann habe beim Einsatz eine leichte Kopfverletzung erlitten. Eine größere Behandlung sei aber nicht erforderlich gewesen. Er habe sich selbstständig nach Hause begeben. (mit dpa) Kein Beitrag vorhanden

Polizei sammelt pro Jahr 45 Tonnen Munition und Kampfmittel

Zu Schäden auf dem Sprengplatz und dem Ausmaß der Sprengstofffunde in Berlin hatte sich vor der Polizeipräsidentin Slowik auch schon Behördensprecher Thilo Cablitz geäußert. “Wir können noch nicht genau beziffern, was detoniert ist und was nicht”, sagte er. Anhand der Aufklärung auf dem Gelände könne man jedoch sagen, welche Bereiche betroffen sind.
Das größte Problem stellen demnach zwei 250-Kilogramm-Weltkriegsbomben dar. Sie seien aus ihrer Sicherung gerissen worden und lägen nun auf dem Erdboden – wo sie nun dessen Umgebungstemperatur annehmen könnten. Durch den Brand sei diese jedoch auf bis zu 700 Grad angestiegen. “Die Temperaturen sind nach wie vor problematisch und kritisch”, sagte Cablitz. Der Bereich des Sprengplatzes, der wegen besonders großer und gefährlicher Kampfmittel dauerhaft beregnet werde, sei nicht betroffen, weil dort die Temperatur niedrig geblieben sei.
Nach Angaben von Polizei und Innenverwaltung lagerten, als das Feuer ausbrach, etwa 30 Tonnen Kampfmittel auf dem Sprengplatz. Davon seien aber nur sechs Tonnen reine Sprengstoffmasse. Zwei bis dreimal am Tag müsse die Polizei Sprengstofffunde im Stadtgebiet einsammeln. “Es fängt an bei Pistolenmunition und geht hoch bis zur 500-Kilogramm-Weltkriegsbombe.” Im Jahr kämen dadurch Kampfmittel und Munition von 45 Tonnen Gesamtgewicht zusammen, “die wir aus der Stadt holen”. Sie würden zweimal im Jahr vernichtet – durch Demontage oder Sprengung.
Sie aus aus der Stadt zu bringen, wie es bei einer Vernichtung in Brandenburg nötig wäre, sei jedoch nicht immer sinnvoll. sagte Cablitz. Weltkriegsbomben, die seit Jahrzehnten in der Erde liegen, verfügten oft über eine fragile Ummantelung. Sie dann noch über 100 Kilometer zu transportieren, sei schwierig.

Slowik: Geringere Schäden als befürchtet – Weltkriegsbomben überwiegend in Lagern geblieben

Polizeipräsidentin Barbara Slowik hat sich im Grunewald ein Bild der Lage gemacht. “Mit Blick auf das gesamte Gelände sehen wir geringere Schäden, als wir eigentlich befürchtet haben”, sagte Slowik. Die schweren Kriegsbomben seien weitestgehend in den dafür vorgesehenen Lagern geblieben.

Zur Frage nach dem Standort des Sprengplatzes sagte die Polizeichefin: “Er ist mit unserem Bewässerungs- und Brandschutzkonzept durchaus sicher.” Nach aktuellen Erkenntnissen habe die ständige Bewässerung der Munition und der Bomben ein Ausgreifen des Feuers auf Munitionslager verhindert.
Sie könne die Diskussionen um den Verbleib des Standortes verstehen, gestand Slowik ein. Allerdings biete der Standort aktuell viele Vorteile. Für den Sprengplatz brauche man 80.000 Quadratmeter Fläche, weit entfernt von jeglicher Wohnbebauung und trotzdem nicht zu lange Anfahrtswege.

„Gefährlichster Einsatz seit dem Krieg“ : 700 Grad heißer Boden im Grunewald – Autobahn und Bahnstrecke bleiben gesperrt

Bild: dpa/Paul Zinken

Wasserwerfer fahren in den Wald – es riecht nach Rauch

Es fahren ausgehend vom Standort der Einsatzleitung laufend weiter Fahrzeuge wie Wasserwerfer der Polizei in den Wald. Hubschrauber sind weiterhin in der Luft und beobachten die Lage von oben. Es riecht nun wieder sehr deutlich nach Rauch.

„Gefährlichster Einsatz seit dem Krieg“ : 700 Grad heißer Boden im Grunewald – Autobahn und Bahnstrecke bleiben gesperrt

Nicht gegen Demonstranten, sondern gegen Flammen und Explosionsgefahren setzt die Polizei ihre Wasserwerfer ein.   Bild: dpa/Kay Nietfeld

Fünf Kilometer Schneisen, drei bis vier Meter breit

Da Bundeswehr-Brigadegeneral Uchtmann von neuen Rad- und Wanderwegen für die Berliner Bevölkerung sprach, hier noch ein paar weitere Informationen dazu: Um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern, hat ein Bergepanzer der Bundeswehr dort, wo erforderlich, drei bis vier Meter breite Schneisen geschlagen. Insgesamt sind so fünf Kilometer Schneisen entstanden.
Auf dem Sprengplatz selbst gebe es kein Feuer mehr, teilt Feuerwehrsprecher Kirstein mit. Es brenne aber weiterhin im Sperrkreis um den Platz herum. Von den Munitionsresten auf dem Sprengplatz gehe gleichwohl nach wie vor Gefahr aus. Konkret habe man drei Orte ermittelt, an denen es erneut zu Umsetzungen, also Explosionen, kommen könne. Deshalb würden sich die Einsatzkräfte weiterhin nur bis auf 500 Meter nähern.

Veranstalter wollen wegen Verbots von „Autobahn-Konzert“ klagen

Nach dem kurzfristigen Verbot eines „Autobahn-Konzerts“ in Friedenau haben die Veranstalter rechtliche Schritte angekündigt. Die Initiative „Lebenslaute“ kündigte am Freitag an: „Wir werden gegen das polizeiliche Vorgehen klagen.“ Die Polizei hatte am Donnerstag die Vollsperrung der Autobahn 115 wegen des Waldbrands im Grunewald als Grund für das Verbot genannt. Die Autobahn 103, auf der die Aktion an der Anschlussstelle Saarstraße geplant war, müsse als wichtige Route in die Innenstadt frei bleiben.

Die Initiative wies das zurück. Das Argument einer Überlastung der A103 könne sie mit Daten aus einer halbstündigen Verkehrszählung widerlegen. Das Vorgehen der Polizei habe nichts mit dem Brand im Grunewald zu tun. „Es handelt sich um eiskalten und routinierten Grundrechtsbruch, gedeckt und gewollt durch den rot-rot-grünen Berliner Senat.“

Das Konzert unter dem Motto „Musizieren statt betonieren“ fand schließlich auf der Saarstraße statt – einem von zwei anderen Standorten, die die Polizei als Ersatz vorgeschlagen hatte. Nach Angaben der Veranstalter waren etwa 100 Teilnehmer dabei. Die Aktion war als Signal gegen den Ausbau der Stadtautobahn und für eine ökologische Verkehrswende gedacht. (dpa)

Nur dreieinhalb Kilometer entfernt – und nichts mitbekommen

Die Charlottenburger Eichkamp-Siedlung liegt direkt am Grunewald und ist nur 3,5 Kilometer von der Brandstelle entfernt — damit hat sie einen ähnlichen Abstand zu dem Feuer wie die Siedlung rund um die Fischerhüttenstraße an der Krumme Lanke. Trotzdem riecht es hier nicht nach Rauch, die Fenster der meisten Häuser sind geöffnet. Aus der Ferne hört man nur einen Helikopter der Polizei über den Wald kreisen.
Die Explosionen waren für Anwohner:innen der Eichkamp-Siedlung deutlich leiser zu hören als für die der Siedlung an der Krumme Lanke. Paula Mühlenberge wohnt direkt am Rande des Grunewalds in einem Studierendenwohnheim. Die Studentin bekam von den Explosionen in der Nacht nichts mit und schlief durch. Ihre Mitbewohnerin erzählte ihr am nächsten Morgen von den lauten Knallen.
„Meine Mitbewohnerin dachte, Jugendliche sind irgendwo in der Nähe und brennen Raketen und Böller ab“, sagt Mühlenberger. Die Studentin ging nicht davon aus, dass etwas Außergewöhnliches passiert sei. „Erst am Vormittag sind mir Rauchwolken über dem Grunewald aufgefallen und ich hörte Explosionen.“ Diese seien aber nicht besonders laut gewesen. Ihr fiel eher auf, dass es aufgrund der Avus-Sperrung am gestrigen Tag weniger Autolärm gab. 

Feuerwehr: „Gefährlichster Einsatz seit dem Krieg“

Angesichts des Feuers rund um das Sprenggelände im Grunewald und der vielen Explosionen hat die Feuerwehr vom „herausforderndsten und gefährlichsten Brandbekämpfungseinsatz“ seit dem Krieg gesprochen. Auch am Freitag und den nächsten Tagen werde der Einsatz noch andauern, schrieb die Feuerwehr in einer Pressemitteilung.
Ein Löschpanzer einer privaten Firma und vier Löschroboter, die ferngesteuert Richtung Brand fahren, Schläuche hinter sich herziehen und Wasser verspritzen können, wurden losgeschickt. In der Luft flogen am Freitag erneut ein Polizeihubschrauber und eine Drohne der Feuerwehr mit Wärmebildkameras. Das Löschwasser pumpte die Feuerwehr über mehr als drei Kilometer von der Havel und dem See Krumme Lanke mit Hilfe eines Löschbootes und diverser Löschfahrzeuge herbei.
Menschen wurden durch das Feuer nicht verletzt. Die Feuerwehr schrieb aber: „In unmittelbarer Nähe zur Einsatzstelle befand sich eine Schafherde, welche vor Ort verblieb, weil die Gefährdung für die Einsatzkräfte bei einer Evakuierung zu groß gewesen wäre.“ Unterstützung kam von vielen Freiwilligen Feuerwehren, der Berliner Polizei, der Bundespolizei, der Bundeswehr, dem Technischen Hilfswerk (THW), dem Roten Kreuz, den Johannitern, dem Malteser Hilfsdienst und privaten Firmen. (dpa)

Forstamt: Über 100 Jahre alte Bäume zerstört – keine Wildschweine verbrannt

Durch die heftigen Explosionen im Grunewald ist auch die Natur geschädigt worden. Es gehe auch um einen enormen ökologischen Schaden, sagte die Forstamtsleiterin Grunewald, Katja Kammer, am Freitag. Bäume, die durch das Feuer zerstört wurden, seien zum Teil über 100 Jahre alt gewesen. Der wirtschaftliche Schaden sei noch unklar.

Größere Wildtiere seien durch das Feuer und die Detonationen von Munition und Feuerwerk vermutlich nicht getötet worden, sagte sie. Tiere im Wald würden bei Rauchgeruch und Knallgeräuschen fliehen. „Jedes Tier, das vier Beine hat oder Flügel, entfernt sich aus diesem Gefahrenbereich. (…) Man kann davon ausgehen, dass keine Wildschweine verbrannt sind.“ Die hätten sich wohl in kühlere Bereiche an die Havel verzogen. „Denen wird es wohl gut gehen.“

In den nächsten Wochen werde das Gebiet untersucht und geschädigte Bäume gesichert oder gefällt. Die dortigen Wege würden erstmal gesperrt, Spaziergänger dürften sie zunächst nicht betreten. (dpa)

Polizei warnt Anwohner in Zehlendorf mit Lautsprecherwagen 

In der Zehlendorfer Fischerhüttenstraße Luft hängt der beißende Geruch von verbranntem Holz in der Luft, am Himmel hört man die Rotorenblätter eines Helikopters der Polizei kreisen. Die Wohngegend an der Krumme Lanke ist nur wenige Kilometer von der Brandstelle im Grunewald entfernt. Ein Mannschaftswagen der Berliner Polizei fährt in Schritttempo die Fischerhüttenstraße entlang, auf dem Dach des Fahrzeugs sind vier Lautsprecherboxen installiert.
„Es erfolgt ein Warnhinweis an die Bevölkerung“, ertönt es aus den Lautsprechern. Aufgrund des ausgebrochenen Feuers auf dem Sprengplatz der Polizei im Grunewald bestehe in der unmittelbaren Nähe des Feuers Lebensgefahr, die Löscharbeiten würden andauern. Die Durchsage der Polizei empfiehlt: „Aufgrund der Rauchentwicklung bitten wir Sie, alle Fenster und Türen zu schließen und sich nicht in die Gefahrenzone zu begeben.“
Fast alle Anwohner der Fischerhüttenstraße scheinen sich an diese Warnung zu halten, die meisten Fenster sind geschlossen. An diesem Freitagvormittag sind die Straßen der Wohngegend wie leergefegt. Nur ein Mann geht mit seinem Hund Gassi. Als in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag zwischen 3 und 4 Uhr die ersten Feuerwerkskörper explodierten, wachte Thorsten Wegner sofort auf.
„Ich habe laute Knalle gehört, kurz danach hat eine Luftwelle die Bäume in meinem Garten zum Rascheln gebracht“, sagt er. Zwischen 4 und halb 7 Uhr habe er in regelmäßigen Abständen weitere Knalle gehört. Solche Geräusche kannte der Rentner zuvor noch nicht: „Es klang so, als wenn Straßenlaternen in die Luft fliegen würden.“
Wegner wohnt seit über 50 Jahren in Zehlendorf. In dieser Zeit habe es auf dem Sprengplatz noch nie solche Unfälle gegeben, in der Nachbarschaft kenne fast jeder den Sprengplatz. „Nach dem Brand sollte man überdenken, ob es sinnvoll ist, den Platz so zentral in der Stadt zu halten.“ Trotzdem findet der Zehlendorfer den Sprengplatz grundsätzlich gut, in seiner Nachbarschaft sei er akzeptiert: „In Berlin muss es einen sicheren Platz geben, an dem Experten gefährliche Bomben wegsprengen können.“
Wegner würde sich aber wünschen, dass die Feuerschneise rund um den Sprengplatz von der Feuerwehr verbreitert wird. „Außerdem sollten dort nicht dauerhaft 25 bis 30 Tonnen Feuerwerkskörper und Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gelagert werden“, sagt er. „Das ist unnötig gefährlich.“ 
Susanne Kohler und ihr Mann wohnen auch in der Nähe der der Krumme Lanke und erschraken, als die ersten Detonationen zu hören waren. „Mein Mann und ich machten uns Sorgen um unser Haus“, sagt sie. „Wir wussten nicht, was das für Knalle sind.“ Das Ehepaar schaute zwei Stunden lang in den Himmel und wollte herausfinden, aus welcher Richtung die Explosionen kommen. „Wir fragten uns, wie viel Material da wohl hochgehen muss, dass es zwei Stunden am Stück laut knallen kann“, sagt sie. 
Erst um 6 Uhr morgens fanden sie im Internet eine Warnung vor dem Brand und einen Zeitungsbeitrag zu dem Feuer. Susanne Kohler und ihr Mann wohnen erst seit zwei Jahren in Berlin. Verständnis für den Sprengplatz der Polizei haben sie nicht. Kohler sagt: „Es ist doch komplett absurd, Feuerwerk und alte Munition in einem Wald in der Nähe von Wohnsiedlungen hochzujagen.“

Sprengmeister konnte Sprengplatz befahren – Erneut massive Rauchentwicklung

Dem Sprengmeister der Polizei ist es gelungen, in einem Bergepanzer der Bundeswehr auf den Sprengplatz fahren. Das teilte Feuerwehrsprecher Kirstein mit. Der Sprengmeister habe dort erste Eindrücke gewinnen können, welche Bereiche von dem Feuer betroffen sind und welche Kampfmittel und Munition eventuell noch eine Gefahr darstellen könnten. Die Erkenntnisse würden derzeit In der Einsatzbesprechung bewertet. Daraus würden weitere Maßnahmen abgeleitet.  Es sei geplant, die eingetroffenen Spezialroboter aus Niedersachsen, die auch Wasser spritzen könnten, auf dem Sprengplatz einzusetzen. Von der Entwicklung würden die weiteren Absperrmaßnahmen und die Größe des Sperrkreises anhängen.
In südlicher Richtung vom Einsatzort gibt es laut Feuerwehrsprecher Kirstein noch Waldbrände, an vielen Stellen auch mit massiver Rauchentwicklung. Über Steglitz-Zehlendorf ziehe eine Rauchwolke, dort sei mit Rauch- und Geruchsbelästigungen zu rechnen. Insgesamt sei der Waldbrand mit den Kräften vor Ort gut zu bewältigen, teilt Kirstein weiter mit. “Der Waldbrand ist noch da, ist an sich aber nicht die große Gefahr.” Dort, wo die Feuerwehr nicht an die Brandherde komme, ebne die Bundeswehr mit Bergepanzern den Weg.

FDP: Sprengplatz-Frage nicht übereilt entscheiden

Die Berliner FDP warnt davor, den seit 1950 im Grunewald befindlichen Sprengplatz vorschnell zu schließen und ihn nach Brandenburg zu verlegen. “Vor übereilten Diskussionen über den Standort des Sprengplatzes müssen die Brandbekämpfung, eine genaue Ursachenanalyse und die Bestandsaufnahme von Alternativen stehen”, teilte Innenpolitiker Björn Jotzo am Freitag mit. “Es gibt gute Gründe gegen, aber auch für einen Sprengplatz in Berlin.” Es gebe zwei bis drei Munitionsfunde pro Tag in der Hauptstadt. Für Weltkriegsmunition seien kurze Wege sinnvoll, Brandenburg verfüge aktuell auch nicht über die benötigten Lagerkapazitäten. “Die Anlage im Grunewald ist abgelegen und relativ sicher – auch wenn gestern Sicherheitsmaßnahmen augenscheinlich teilweise versagt haben.”
Eine Entscheidung über das Aufgeben des Sprengplatzes sollte Berlin erst dann treffen, wenn die Brandursache und die Auswirkungen alternativer Standorte bekannt seien, forderte Jotzo. “Es darf keine Entscheidung im Affekt nach einem Unfall sein, sondern eine auf der Basis valider Informationen, einer erneuerten Gefährdungsanalyse und vor allem unter Betrachtung möglicher Alternativen.”

Nieselregen über dem Grunewald

Womöglich könnte nun das Wetter den Einsatzkräften zur Hilfe kommen. Seit etwa 9.45 Uhr regnet es leicht. “Regen ist gut, aber die Frage ist, ob der am Boden ankommt”, hatte Feuerwehrsprecher Kirstein dazu vorher allerdings gesagt.

Polizeipräsidentin für Sprengplatz in Stadtnähe – kaum Alternativen

In der Diskussion um die Lage des Sprengplatzes Grunewald hat sich Berlins Polizeipräsidentin zwar offen für eine Verlegung gezeigt. Allerdings habe die Berliner Polizei immer noch täglich Einsätze, bei denen Kampfmittel entfernt werden müssten, sagte Barbara Slowik am Freitag im Inforadio des RBB. Weil Transporte für alte Weltkriegsbomben sehr gefährlich seien, brauche es weiterhin einen nahegelegenen Sprengplatz.
Mit Blick auf den Sprengplatz mitten im beliebten Naherholungsgebiet sagte Slowik: „Aktuell ist dieser Sprengplatz die einzige genehmigungsfähige Anlage auf Berliner Grund mit 80.000 Quadratmetern, weit weg von Wohnbebauung, was der Feuerwehr auch gestern sehr genützt hat.“ Auch Brandenburg habe kaum Ressourcen für einen gemeinsamen Sprengplatz im Berliner Umland. „Bisher haben wir da keine Möglichkeit gefunden. Nun wird es neue Gespräche geben.“ (dpa)
Mehr zur Sprengplatz-Debatte lesen Sie bei Tagesspiegel Plus: Die Regierende Bürgermeisterin will eine Lösung mit Brandenburg suchen, die CDU den Sprengplatz schließen. tagesspiegel

THW kümmert sich um Löschwasser und Licht

Auch das THW ist seit gestern vor Ort. THW-Fachberater Michael Frenzel berät die Einsatzleitung der Feuerwehr. Man sei derzeit mit der Tanklogistik im Einsatz. In der Nacht haben die ehrenamtlichen THW-Kräfte das Einsatzgebiet weitläufig ausgeleuchtet. Außerdem stellt das THW mehrere Pufferbecken zur Verfügung, die die Löschwasserversorgung sicherstellen.
Zwischenzeitlich war das THW mit 30 ehrenamtlichen Kräften vor Ort. Bei weiterem Bedarf könnte man weitere Helfer aus den insgesamt um die 1000 THW-Einsatzkräften in Berlin abrufen, sagt Frenzel. “Ich hatte schon mehrere große Einsätze in Berlin, aber einen Großbrand mit solchen Sondergegebenheiten habe ich noch nicht erlebt,” sagt THW-Fachberater Michael Frenzel.

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Bild: Valentin Petri

Große Teile des Feuers gelöscht – Sprengmeister soll mit Bundeswehr-Panzer Platz erkunden

Große Teile des Feuers im Grunewald sind mittlerweile gelöscht – der Sprengplatz vor Ort ist laut Feuerwehr aber weiterhin ein großes Problem. In der Nacht habe die Feuerwehr die Flächenbrände im Umkreis des Platzes bekämpft. „Diese Brände sind seit heute Morgen nahezu gelöscht“, sagte Feuerwehrsprecher Kirstein. Nur vereinzelt gebe es am Boden noch Glutnester und kleinere Feuer. Gebrannt hatte es demnach insgesamt auf einer Fläche von etwa 42 Hektar.
Ziel sei es, am Vormittag ein genaueres Lagebild von dem Sprengplatz zu erhalten, sagte Kirstein nach der Lagebesprechung von Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr am Morgen. Der Sprengmeister der Polizei soll in einem Panzerfahrzeug der Bundeswehr an den Sprengplatz ranfahren und von der Außengrenze einen ersten Eindruck gewinnen und eine Einschätzung abgeben. Dieser Plan sei am Donnerstagabend abgebrochen werden. (dpa)

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Die Bundeswehr hat einen Bergepanzer bereitgestellt.   Bild: dpa/Christophe Gateau

Feuerwehr: Zwei Brandschwerpunkte 

Feuerwehrsprecher Kirstein zufolge gibt es zwei Brandschwerpunkte, teilte ein Sprecher der Feuerwehr auf Nachfrage mit. Den Sprengplatz habe man nach wie vor nicht begehen können. Die Flächen- und Waldbrände in dem 1000 Meter großen Sperrkreis habe man hingegen sehr gut bekämpfen können. An vereinzelten Stellen gebe es noch Glutnester und Brände im kleineren Bereich. “Wir werden weiter massiv Löschmaßnahmen im Wald durchführen.” 

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Bild: Valentin Petri

Spezialgerät angefordert

Die Einsatzkräfte wollen sich ein genaueres Bild von der Lage auf dem Sprengplatz verschaffen, teilt der Sprecher mit. Dafür habe man Fachtechnik von einer Firma aus Niedersachsen angefordert. Die gepanzerten Fahrzeuge und Roboter könnten auch Löschwasser verspritzen. Ziel sei es, eine Prognose abgeben zu können, wann man die Sperrung aufheben kann. “Unser großes Ziel ist es, dass wir die Autobahn und den Bahnverkehr wieder freigeben können.”

Feuerwehr: Teile des Brandes gelöscht, noch “kleinere Brände im Sperrkreis”

Teile des Feuers im Grunewald sind laut Feuerwehr zwar gelöscht – der Sprengplatz ist demnach aber weiter ein großes Problem. „Am Boden gibt es noch kleinere Brände im Sperrkreis“, sagte Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein weiter. Das seien „einige Stellen, das ist keine große Fläche mit großer Intensität“. Ungünstig sei das Auffrischen des Windes, weil es die Gefahr berge, dass das Feuer wieder aufflamme. (dpa)

Feuerwehr rückt bis auf 500 Meter an den Sperrkreis heran

Die Berliner Feuerwehr hat die ganze Nacht hindurch den Waldbrand bekämpft. Die Einsatzkräfte rückten innerhalb des Sperrkreises von 1000 Metern bis auf 500 Meter an den Sprengplatz heran, sagte Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein am Freitagmorgen im RBB. “Wir haben die Brände im Umkreis gut löschen können in der Nacht”, sagte Kirstein. “Wir fahren hier heute groß auf.” 150 Feuerwehrleute seien im Einsatz, Spezialgerät wie Roboter und Panzer, aus verschiedenen Teilen Deutschlands herangeschafft, sollten dabei helfen. Ziel sei es, im Laufe des Freitags die Sperrungen von Autobahn und Bahnstrecke aufheben zu können. Spezialgerät eingetroffen – Avus bleibt gesperrt, Zugverkehr unterbrochenBeim Großbrand im Berliner Grunewald dauern die Löscharbeiten auch am Freitag an. Am Morgen kommt es weiterhin zu erheblichen Einschränkungen des Verkehrs im Südwesten der Hauptstadt. Die Autobahn Avus (A115) bleibt zwischen Dreieck Funkturm und Kreuz Zehlendorf vorerst gesperrt. Auch der Zugverkehr ist mindestens bis zum Mittag noch von dem Waldbrand beeinträchtigt.
Die Linie S7 der S-Bahn bleibt zwischen den Stationen Grunewald und Wannsee unterbrochen. Zwischen Wannsee (Abfahrt 13, 33, 53) und Potsdam Hauptbahnhof (Abfahrt 01, 21, 41) besteht nur ein 20-Minuten-Takt. Zur Umfahrung des gesperrten Abschnitts empfiehlt die S-Bahn zwischen Friedrichstraße und Wannsee die Linie S1, zwischen Westkreuz und Schöneberg die Linien S41, S42 und S46 sowie zwischen Schöneberg und Wannsee die Linie S1. Ein Ersatzverkehr mit Bussen kann wegen der weiträumigen Straßensperrungen nicht eingerichtet werden.
Auch die Züge des Regional- und Fernverkehrs sind nach Bahnangaben zwischen Charlottenburg und Wannsee/Potsdam Hauptbahnhof unterbrochen. Einzelne Züge im Fernverkehr müssen umgeleitet werden und können nicht in Wannsee und Potsdam Hauptbahnhof halten. Verspätungen entstehen laut Bahn aufgrund der Umleitung nicht. Die Streckensperrung soll voraussichtlich bis 12 Uhr bestehen bleiben, hieß es. “Dann wird durch die Einsatzleitung vor Ort eine neue Entscheidung getroffen.”
Das Feuer hat sich aber in der Nacht zum Freitag nicht über den Sperrkreis hinaus ausgebreitet. „Die Brände konnten innerhalb der Ringstellung gehalten werden“, teilte die Feuerwehr am Morgen auf Twitter mit. In der Nacht sei weitere Spezialtechnik eingetroffen, die bei der Erkundung der Sperrzone helfen könne. Dabei handele es sich um drei ferngesteuerte Roboter, die tiefer ins Gebiet vordringen könnten, sagte ein Feuerwehrsprecher. Auch gepanzerte Fahrzeuge, die löschen könnten, seien gebracht worden. Das Hauptproblem sei weiterhin der Sprengplatz. „Wir müssen damit rechnen, dass es weiter zu Detonationen und zum Trümmerflug kommt.“ Die Feuerwehr habe die ganze Nacht hindurch gearbeitet. Die Einsatzkräfte hatten am Donnerstag rund um den Sprengplatz, auf dem das Feuer ausgebrochen war, einen Sperrkreis von rund 1000 Metern gezogen. Am frühen Donnerstagmorgen waren über längere Zeit Explosionen zu hören – von der Polizei eingelagertes Feuerwerk, Munition und Bomben gingen in die Luft. Der Brand weitete sich im Lauf des Tages in dem knochentrockenen Waldgebiet noch deutlich aus.
Am späten Donnerstagnachmittag gab es innerhalb der Sicherheitszone die ersten Löscharbeiten. Einsatzkräfte hatten die angrenzenden Waldgebiete bewässert, um ein Ausbreiten der Flammen zu erschweren. Der Einsatz eines mit Kameras ausgestatteten und ferngesteuerten Spezialroboters der Bundeswehr, mit dem die Lage auf dem Sprengplatz erkundet werden sollte, musste am Abend abgebrochen werden. (mit dpa) Weitere Beiträge Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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