Günstiger Wohnraum in Berlin weicht teurem

Günstiger Wohnraum in Berlin weicht teurem

Investoren reißen in Berlin oft den Altbestand an Wohnungen ab, um danach an gleicher Stelle Luxus-Eigentums-Immobilien hochzuziehen – dazu ein Kommentar von B.Z.-Redakteur Uwe-Peter Steinscheck Foto: Picture Alliance / BZ-Montage

Jeden Montag sagen B.Z.-Redakteure, was sie wirklich stört. Heute Uwe-Peter Steinchek.

Günstiger freier Wohnraum ist in Berlin so rar wie das Wasser in der Wüste. Da schmerzt es um so mehr, wenn Investoren den Altbestand an Wohnungen abreißen, um danach an gleicher Stelle Luxus-Eigentums-Immobilien hochzuziehen.

Bei uns im Kiez ist das passiert. Mein Nachbar Arno hat mich darauf aufmerksam gemacht. „Du, da in de Dortmunder haben se nen Haus platt jemacht. War son Bau aus de Sechziger Jahre mit bezahlbare Mieten. Da haben Heinz und Gerda drin jewohnt. Nu is dit Teil wech und die Beeden ooch.“

Jetzt sieht es so aus, als hätte die Straße eine Zahnlücke. „Weeßte, wie ick dit nenne? Dit is Investoren-Karies“, raunzt Arno.

Was er meint: Der Investor hatte das Haus gekauft. Nachmieter bekamen nur noch befristete Verträge. Über die Jahre waren dann alle Bewohner verdrängt. Schließlich der Abriss. Platz schaffen für teure Eigentumswohnungen.

Eigentlich muss nach dem Zweckentfremdungsverbotsgesetz bei einem Abriss Ersatzwohnraum geschaffen werden, der dann zu höchstens 7,92 Euro pro Quadratmeter vermietet wird. Der Bezirk soll sich stattdessen mit dem Investor auf eine Ausgleichszahlung von rund 1,9 Millionen Euro für abgerissenen Wohnraum geeinigt haben.

„Dit bezahlen diese Beton-Heinis doch aus de Portokasse“, meint Arno. Er könnte Recht haben, denn der Investor bietet eine künftige Dreizimmer-Eigentums-Wohnung in traumhafter Wasserlage direkt an der Spree für 1.490.000 Euro an.

In den Jahren von 2018 bis 2021 haben die Bezirke den Abriss von 1038 Wohnungen genehmigt. Sie haben in den letzten vier Jahren nur 396 Ersatzwohnungen gemeldet, gleichzeitig etwa 3,3 Millionen Euro an Ausgleichszahlungen eingenommen.

Arno: „Mensch, hier haben doch die Grünen dit sagen. Die Friedrichstraße können se autofrei machen. Aba wenn‘s um jünstiget Wohnen füa alteinjesessene Anwohna jeht und darum, die Kieze spekulantenfrei zu machen, dit können se nich“. Ich kann seinen Unmut verstehen.

Günstiger Wohnraum in Berlin weicht teurem

 

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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