Ist das 9-Euro-Ticket der Bundesregierung eine sinnvolle Maßnahme?

Ist das 9-Euro-Ticket der Bundesregierung eine sinnvolle Maßnahme?

Bald für neun Euro im Monat mit dem ÖPNV durch Berlin rauschen? Darüber diskutieren die ehemaligen Bürgermeister Eberhard Diepgen (l.) und Walter Momper Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Dirk Lässig

Einmal die Woche diskutieren in der B.Z. Berlins Ex-Regierende Eberhard Diepgen (CDU) und Walter Momper (SPD) über Themen, die die Hauptstadt bewegen. Heute geht es um das geplante 9-Euro-Ticket für den ÖPNV.

Eberhard Diepgen: Nein, nicht zu diesen Bedingungen

Die Ampelkoalition des Bundes hat mit einem umfangreichen Entlastungspaket auf die gestiegenen Energiepreise reagiert. Zeitlich befristet. Dennoch ist das alles sehr teuer und irgendwann muss der Steuerzahler das berappen. Aber noch mehr Sorgen macht mir die Tatsache, dass entscheidende Belastungen aller Teile der Gesellschaft erst noch auf uns zukommen. Die im Bundestag angekündigten Milliardenprogramme machen das schon heute deutlich.

Ein rechtzeitiger Blick auf die Zeit nach den jetzt befristeten Maßnahmen wäre wichtig gewesen. Beispielsweise könnte schon jetzt entschieden werden, dass der Staat nicht immer an steigenden Benzinpreisen mitverdienen soll.

Aber zunächst haben die Ampelparteien jede für ihre tatsächliche oder auch nur vermeintliche Anhängerschaft eine Scheibe abgeschnitten. Die Grünen wollen die Situation nutzen und zum Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn motivieren.

Schon beinahe traditionsgemäß zulasten der Menschen, die sich in den ÖPNV nicht drängen können oder mögen. Und vor allem ohne Rücksicht auf den ländlichen Raum, wo Arbeitnehmer oft hundert Kilometer und mehr mangels Bahn und Bus mit dem Auto zum Arbeitsplatz fahren müssen.

Und auch hier wieder nur eine halbe Sache. Neun Euro für die Monatskarte erscheint mir unsinnig. Dann doch bitte gleich Nulltarif und damit ohne den Aufwand für Kartenverkauf und Kontrollen. In dem Punkt liegen die Berliner Verantwortlichen richtig.

Noch weiß man nicht alle Einzelheiten für diesen zeitlich begrenzten Tarif. Wann? Für welche Tarifzonen? Abrechnung gegenüber dem Bund? Experten raten wegen der Überlastung im Berufsverkehr zum Billig-Fahren in den großen Schulferien. Überfüllung schreckt dann neu gewonnene Fahrgäste von künftiger Nutzung nicht gleich ab. Die Verkehrssenatorin will das alles als Schritt auf dem Weg zur autofreien Stadt.

Alles insgesamt ein bisschen viel Ideologie. Davor gäbe es im Ausbau der Netze, bei der Verkehrsdichte und ganz sicher bei den Themen Sicherheit und Sauberkeit noch viel zu tun.

Walter Momper: Ja, aber noch besser wäre ein Nulltarif

Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung soll der Minderung der Mehrkosten des Energieverbrauchs für den einzelnen Bürger dienen. In diesem Zusammenhang ist es gut, den öffentlichen Personennahverkehr billiger zu machen.

Natürlich kann man es mit keiner Regelung allen recht machen. Die ländlichen Gebiete werden benachteiligt, weil hier der öffentliche Personennahverkehr nicht die Rolle spielt wie in den Städten. Die Verbilligung ist sinnvoll, weil sie die Leute anregt, den ÖPNV mehr zu nutzen. Und das ohne wesentliche Kosten.

Allerdings ist der verwaltungsmäßige Aufwand für die Vergabe der Neun-Euro-Tickets an die Bevölkerung außerordentlich hoch. Im Städtetag ist deshalb schon der Hinweis geäußert worden, wenn man es schon verbilligt, dann den ÖPNV zum Nulltarif nutzbar zu machen.

Mir scheint das sinnvoller zu sein, um den Verwaltungsaufwand zu sparen. Der finanzielle Effekt ist relativ gering, ob das Fahren nun neun Euro oder null Euro kostet, spielt auf der Einnahmeseite nicht eine so große Rolle. Der Anreiz, mit dem ÖPNV zu fahren, wird dadurch nur noch gesteigert.

Die Maßnahme ist gut zur Steigerung der Nutzung des ÖPNV, aber wir wissen: Der ÖPNV wird nur dann auf Dauer genutzt, wenn er schneller ist oder so schnell und bequem wie das Auto. Solange das nicht der Fall ist, wird eine wesentliche Steigerung der Nutzung des ÖPNV nicht passieren.

Also langfristig wirkende Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV sind wichtiger, als am Preis herumzubasteln. Das gilt in der Stadt für Busspuren und eine Beschleunigung des Straßenbahnverkehrs, der viel zu langsam ist, um mit dem Auto mithalten zu können. Außerdem müssen die Taktfolgen mehr verdichtet werden. Nur wenn häufiger eine Bahn oder ein Bus kommt, wird der ÖPNV auch genutzt werden, weil ein häufiger Takt die Fahrzeiten erheblich verkürzt.

Also letzten Endes hilft nur eine Qualitätsverbesserung dem ÖPNV.

Ist das 9-Euro-Ticket der Bundesregierung eine sinnvolle Maßnahme?

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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