Ist Ihrer hier dabei? | Ferien vorbei, das Koffer-Chaos am BER aber nicht

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Hunderte Koffer stehen in einer Halle am BER. Hier und da gibt es Lücken, die von glücklichen Findern zeugen

Foto: Stefan Ferrari Teilen Twittern SendenVon: Stefan Ferrari 24.08.2022 – 09:57 Uhr

Koffer, Koffer, Koffer – es müssen Hunderte sein, die hier auf ihre Besitzer warten. Ob auch meiner dabei ist, der vor gut einem Monat verschwunden ist?

DER URLAUB IST VORBEI – DAS KOFFER-CHAOS NOCH LANGE NICHT!

Berlin/Schönefeld (Brandenburg) – Gut drei Millionen Menschen sind in den Sommerferien vom BER gestartet. Für viele Passagiere begann nach der Erholung der Ärger. Ihr Gepäck macht immer noch Ferien. Nur wo, das weiß keiner …

Auch der Koffer, der mir gehört, BILD-Reporter Stefan Ferrari, ist weg. Von der Fluggesellschaft kam bisher praktisch keine Hilfe, nach dem Ausfüllen der Verlustmeldung reagiert niemand auf weitere Mails – und Anrufe brachten nur die Auskunft: „Wir suchen noch und melden uns.“

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BILD-Reporter Stefan Ferrari suchte vergeblich nach seinem Koffer. Mitte Juli ging er verloren

Foto: Stefan Ferrari

Das dauerte mehr als drei Wochen. Dann hörte ich: Man habe nicht mehr viel Hoffnung, das Gepäck zu finden. Also los, auf eigene Faust!

Die Suche beginnt an einer unscheinbaren Tür am BER auf der Ankunftsebene. Drei Klingelknöpfe für die drei Anbieter, die sich am Hauptstadt-Flughafen um die Gepäckstücke kümmern. Mit mir warten zwei Frauen, eine Familie und ein älterer Mann auf Einlass. Dann öffnet sich die Tür, wir werden durch den Ankunftsbereich zu einer Milchglastür geführt.

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Emely M. (31), Epidemiologin aus Berlin: „Am 13. Juli sollte mein Koffer in Berlin ankommen. Leider ist er aber hier im Gepäck-Chaos verschwunden. Seitdem telefoniere ich fast täglich und schreibe Mails. Mein geliebter Samsonite bleibt aber verschwunden. Ich war auch schon in dieser riesigen Halle. Das ist der Wahnsinn dort“

Foto: Ralf Günther

Dahinter lagern sie, die nicht abgeholten, nicht mitgeflogenen Koffer und Reisetaschen der vergangenen Wochen. Hunderte sind hier gestrandet – und das ist nur der Bereich eines der drei Dienstleister! Wie viele es sind, wissen die Mitarbeiter auch nicht genau. Wir suchen los, jeder für sich – und jeder in der Hoffnung, seinen Koffer zu entdecken.

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Conrad Holle (68), Rentner aus Brandenburg: „Gestern ruft mich ein fremder Mann an und berichtet mir, dass er bei der Suche nach seinem Koffer meinen entdeckt hat. Darauf bin ich nach Berlin gefahren, um meinen Koffer zu holen, aber man lässt mich nicht. Bis zum 31. August werden keine Koffer mehr herausgegeben. Das ist ein Skandal“

Foto: Ralf Günther

Nicht einfach: Hier stehen nicht nur schwarze Hartschalenkoffer, sondern bunte, knallig-rosafarbene, Koffer mit „Priority“-Aufklebern und Koffer mit Einhorn-Anhängern.

Eine Mitarbeiterin hilft einer älteren Frau bei der Suche, schreitet die engen Gänge zwischen den Kofferreihen ab. Lücken zeugen von glücklichen Findern, aufsteigende Fliegen an einem Gepäckstück von Inhalten, die man besser gar nicht wissen will. Auch Kinderwagen und ein Surfbrett sind hier gestrandet.

Pünktlich zum Ferienende soll der Bereich aufgelöst werden, die Koffer sollen seit dem gestrigen Dienstag nach und nach an ihre Besitzer geschickt werden, sagt eine Mitarbeiterin.

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Khaled E. (31) aus Berlin-Wedding musste sein Handgepäck vom Hinflug auf dem Rückweg aufgeben. Nun ist der Koffer weg: „Ich habe eine Verlustanzeige gemacht, bin stinksauer“

Foto: Ralf Günther

Das dürfte allerdings noch länger dauern. Denn eine eigenständige Koffersuche soll nicht mehr möglich sein. Montag war der letzte Tag dafür. Und während ich suche, kommen neue Wagen mit herrenlosen Gepäckstücken an.

Meinen Koffer finde ich leider nicht. Doch ich sehe, wie eine Leidensgenossin ihr Gepäck tatsächlich entdeckt und glücklich zum Ausgang strebt. Drei Wochen wartet sie schon, erzählte sie beim Anstehen vor der Tür. Nun will sie nur noch nach Hause. Jetzt ist der Urlaub wirklich vorbei.

So will der BER jetzt aufräumen

Wie viele Koffer aktuell am Hauptstadt-Flughafen auf ihre Besitzer warten, konnte eine BER-Sprecherin nicht sagen. „Wir bieten nur die Lagerfläche“, sagte sie mit Verweis auf die drei Bodendienstleister. Aber: Das Thema Koffer sei „das Nadelöhr“. Gerade bei Umsteigeflügen, von denen es von und nach Berlin viele gibt, passiere es, dass Gepäck nicht mitkomme.

Die drei Dienstleister, die am BER für die Koffer zuständig sind: Wisag, Aeroground und Swissport.

Wisag, zuständig unter anderem für Air France, Turkish Airlines und Delta Airlines (insgesamt 28 Fluggesellschaften), teilt mit: „Bei uns herrscht kein Personalmangel.“ Die Wisag sei im Bereich Lost & Found am BER organisatorisch gut aufgestellt.

Und weiter: „Aktuell liegt das Aufkommen von Gepäckstücken unserer Kunden-Airlines, die wir pro Tag am BER bearbeiten, bei durchschnittlich 50 Gepäckstücken.“ Wie schnell die Koffer beim Kunden landen, liege aber an der Bearbeitung durch die Zustelldienste.

Eine Quelle: www.bild.de

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