Jugendbuch “Der große Streik der Pflanzen” : Was der Raps uns zu sagen hat

Was wäre, wenn nicht nur Jugendliche wegen der Klimakrise rebellieren, sondern auch Pflanzen? Ute Scheub hat aus dem Szenario ein Buch gemacht.

Jugendbuch "Der große Streik der Pflanzen" : Was der Raps uns zu sagen hat

Ein blühendes Rapsfeld.Foto: dpa

Es ist das Jahr 2050 nach menschlicher Zeitrechnung. Eine Mohnblume erzählt im Rückblick, wie ihre Vorfahren mit ihren Verbündeten in der Welt der Pflanzen und Tiere viele Jahre zuvor das Aussterben jeglichen Lebens auf der Erde verhindert haben.

Im Jahr 2028 ist die Klimakrise schon weit fortgeschritten. Die Sonne brennt, Regen bleibt aus oder fällt im Übermaß, Böden erodieren. Noch mehr Pflanzen als heute werden in Gewächshäusern gezogen, wo es ihnen aber auch schlecht geht. Sie bekommen gerade so viel Wasser, dass sie nicht eingehen, einige auch weniger.

Kommunikation durch Duftstoffe

In einem der Treibhäuser testen Tamara (13) und Aldo (14) ein neuartiges Gerät aus dem Unternehmen von Aldos Vater. Das kann Pflanzenduftstoffe, Ethylen zum Beispiel, analysieren und damit die Sprache der Pflanzen übersetzen. So bekommen die beiden Teenager die Not der Pflanzen mit.

Sie vereint die Wut auf die Gleichgültigkeit der Menschen und das Nichtstun der Regierung, der alsbald auch Aldos Vater als Wirtschaftsminister angehören wird. Die Jugendlichen beschließen gemeinsam mit den Pflanzen einen „großen Streik“, der dem Buch von Ute Scheub den Titel gibt. Später schließen sich auch die Tiere dem Aufruf an, Widerstand gegen die Ausbeutung durch die Menschen zu leisten.

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Die Pflanzen stellen das Wachstum ein, anschließend auch die Photosynthese, so dass den Menschen nicht nur Nahrungsmittel und Klopapier knapp werden, sondern auch der Sauerstoff zum Atmen. Es wird gehamstert und gehechelt – eine überdeutliche Parallele zur immer noch aktuellen Pandemie. Etwas holzschnittartig gerät auch die Beschreibung der Regierung von „Präsident Justus von Senfleben“.

Regieren im Palast

Das politische System ist offenbar ein anderes als das der Bundesrepublik. Das gilt auch für den Regierungspalast: „Weiß und glänzend stand er da, mit nachgemachten griechischen Säulen, einschüchternd monumental. Die Menschlein davor sollten sich wohl wie Zwerge fühlen.“ Ganz so schlimm sieht das Kanzleramt nicht aus.

Auch der cholerische Präsident und sein speichelleckerisches Kabinett haben etwas von einer Karikatur – inklusive Aldos Vater, der seinen Sohn runterputzt und ihm ziemlich gestrige Vorträge über den Vorrang der Wirtschaft vor der Umwelt hält. Noch schlimmer ergeht es Tamara, die wegen ihrer Widerborstigkeit direkt vom „Regierungspalast“ in die Gefängniszelle verschleppt wird, und das mit 13 Jahren.

Jugendbuch "Der große Streik der Pflanzen" : Was der Raps uns zu sagen hat

Ute ScheubFoto: privat

Gleichwohl haben die beiden Teenager gemeinsam mit anderen Jugendlichen, die sich à la Hambacher Forst an Bäume ketten, Pflanzen und Tieren letztlich Erfolg mit ihrem weltweiten Generalstreik. Sie zwingen die Vereinten Nationen zu Verhandlungen in dem Gewächshaus, in dem alles angefangen hatte. Dank des Übersetzungsapparates können die Pflanzen mitreden, was dem Ergebnis der ganzen Veranstaltung natürlich nur gut tun kann.

[Ute Scheub: Der große Streik der Pflanzen. Jacoby & Stuart, Hamburg 2022. 224 Seiten, 16 . Ab 12 Jahre]

Es ist eine schöne Utopie, die Ute Scheub, Mitgründerin der „tageszeitung“ und nach eigenen Angaben Deutschlands erste Umweltredakteurin, da entwirft: eine Welt, in der die Menschen im Einklang mit Pflanzen und Tieren leben. Das Artensterben hört auf, statt Chemiedünger wird natürlicher Humus eingesetzt. Die meisten Menschen ernähren sich vegetarisch, Gensoja für die Massentierhaltung wird überflüssig. Die Idee und die Geschichte sind spannend, die Erzählweise ist manchmal ein bisschen pädagogisch. Die Dialogzeile „Ich fasse zusammen“ sollte sich jede Autorin verkneifen.

Umkehr ist möglich

Sehr gelungen ist der Teil „Was an dieser Geschichte wahr ist“, den Scheub an die eigentliche Story anschließt. Auf 20 Seiten erklärt sie in klarer, verständlicher Sprache die Zusammenhänge zwischen Klimawandel, Mooren, Wald und Landwirtschaft. Sie nimmt ihren jungen Leser:innen die Angst, dass sich die „Klimakatastrophe“ ohnehin nicht mehr aufhalten lasse.

In letzter Konsequenz schwebt Scheub eine „Biokratie“ vor: Ausgewählte Menschen würden in den Parlamenten die Interessen von Tieren und Pflanzen vertreten. Ein interessanter Gedanke nicht nur für Jugendliche.

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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