Muss die „Judensau“ entfernt werden? : BGH urteilt zu antijüdischer Schmähplastik an Wittenberger Kirche

Eine Sau säugt zwei Juden, ein anderer guckt ihr in den Hintern: Ein Sandsteinrelief an der Wittenberger Stadtkirche beschäftigt den Bundesgerichtshof.

Muss die „Judensau“ entfernt werden? : BGH urteilt zu antijüdischer Schmähplastik an Wittenberger Kirche

Die als „Judensau“ bezeichnete Schmähplastik an der Stadtkirche in WittenbergFoto: dpa/Hendrik Schmidt

Im Rechtsstreit um eine als „Judensau“ bezeichnete Schmähplastik an der Stadtkirche Wittenberg in Sachsen-Anhalt verkündet der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag (10.00 Uhr) sein Urteil. Ein Kläger will, dass das antijüdische Sandsteinrelief aus dem 13. Jahrhundert entfernt wird (Az. VI ZR 172/20).

Bei der mündlichen Verhandlung in Karlsruhe vor zwei Wochen hatten die Richterinnen und Richter noch nicht durchblicken lassen, in welche Richtung sie tendieren. In den Vorinstanzen war der Mann gescheitert.

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Der Grund war unter anderem, dass seit Jahren eine Erklärtafel in der Nähe der Abbildung auf den Kontext hinweist. Die Stadtkirchengemeinde verweist auf dieses Mahnmal und bezeichnet die „Wittenberger Sau“ als „ein schwieriges Erbe, aber ebenso Dokument der Zeitgeschichte“. Der Fall hat Brisanz, weil die Wittenberger Stadtkirche als Mutterkirche der Reformation gilt. Hier predigte einst Martin Luther (1483-1546).

Das Relief zeigt eine Sau, an deren Zitzen zwei Menschen saugen, die durch Spitzhüte als Juden identifiziert werden sollen. Eine laut BGH als Rabbiner geltende Figur hebt den Schwanz des Tieres und blickt ihm in den After. Schweine gelten im jüdischen Glauben als unrein. (dpa)

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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