Optimisten leben glücklicher, Pessimisten sind besser vorbereitet?

Optimisten leben glücklicher, Pessimisten sind besser vorbereitet?

Ein Cheers auf positives Denken? Ja, aber nur, wenn es begründet ist Foto: Drobot Dean – stock.adobe.com Ad

Lange erschütterten uns nicht mehr so viele negative Nachrichten auf einmal: Pandemie, Krieg, Klimawandel, steigende Kosten, dazu hat auch noch jeder sein persönliches Päckchen zu tragen. Da kann man ja nur pessimistisch werden … Oder ist es bei all diesen Sorgen gerade wichtig, optimistisch zu bleiben, weil man sonst nur in ständiger Angst und Unzufriedenheit leben würde?

Tatsächlich scheint beides seine Vor- und Nachteile zu haben. Pessimisten sind der Meinung, sich durch ihre negativen Erwartungen vor Enttäuschungen im Leben schützen zu können und auf Notlagen besser vorbereitet zu sein. Das klingt in der aktuellen Situation nur vernünftig. Optimisten sehen sich dagegen als Lebenskünstler. Erst einmal vom Besten ausgehen und wenn es doch schiefgeht, finden sie selbst in der schlimmsten Situation noch ein Stück Gold. Auch das klingt nach einer Strategie, die wir gerade gut gebrauchen können.

Optimisten leben glücklicher, Pessimisten sind besser vorbereitet?

Ist das Glas halb voll oder halb leer? (Foto: picture alliance / dpa Themendienst)

Aber was sagen die Experten: Mit welcher Strategie kommen wir tatsächlich besser durchs Leben?

B.Z. fragte den Berliner Motivationstrainer Christian Weilmeier. „Sowohl Optimismus als auch Pessimismus sind in ihrer Extremform schädlich für uns. Der blinde Glaube daran, dass alles immer gut ausgeht, ist genauso destruktiv wie zu meinen, vom Pech verfolgt zu sein“, erklärt der Experte. Im Leben gehe es vielmehr darum, aus Erfahrungen zu lernen und so ständig seine Erwartungen anzupassen. Eine Art gesunden Optimismus bzw. Pessimismus zu entwickeln. Alles andere bringe uns auf Dauer nicht weiter.

Christian Weilmeier: „Blinde Optimisten überlisten sich oft selbst, blenden ihre Gefühle aus und trauen sich Unrealistisches zu. Sie betrachten selbst das leere Glas als halb voll. Das kann im schlimmsten Fall zum Verlust der Realität führen. Blinder Pessimismus führt dagegen oft zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung. Und lässt selbst kompetente Menschen viel zu unsicher auftreten oder vor lauter Angst komplett untätig werden. Ihr eigentlich volles Glas wird durch ihr eigenes Verhalten leer.“

Optimisten leben glücklicher, Pessimisten sind besser vorbereitet?

Seniorin mit traurigem Smileygesicht (Foto: picture alliance / Bildagentur-o)

Wie entwickelt man also einen gesunden Optimismus bzw. Pessimismus?

► Aus Fehlern lernen

Prüfung verhauen, Geschäftsidee geplatzt, Beziehung gescheitert? Da hilft es weder zu sagen: „Positiv denken, beim nächsten Mal klappt’s!“ noch zu glauben, dass das alles eh vorhersehbar war, weil man eben nie Glück habe. Besser sich konkret fragen: Was waren die Fehler, wie klappt es beim nächsten Mal? In welchem Bereich genau scheine ich nie Glück zu haben und kann ich meine Strategie ändern?

► Wahrscheinlichkeiten beachten

Wahrscheinlichkeiten sind ein wichtiger Indikator für gesunden Optimismus bzw. Pessimismus. Zum Beispiel: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, sich draußen im Park mit Covid anzustecken? Da können Sie optimistisch sein, dass es nicht passiert. Oder: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, ohne entsprechende Qualifikation einen Job zu bekommen? Da können Sie vor einem Vorstellungsgespräch zu Recht pessimistisch sein.

► Eigene Fähigkeiten richtig einschätzen

Im Leben ist alles möglich, wenn man nur daran glaubt? Ähm, nein. Vielmehr ist es wichtig, eigene Fähigkeiten richtig einzuschätzen, um Dinge realistisch anzugehen. Auch große Träume brauche eine Leiter mit machbaren Stufen.

Optimisten leben glücklicher, Pessimisten sind besser vorbereitet?

Daumen hoch für die richtige Selbsteinschätzung (Foto: picture alliance / Zoonar)

► Habe ich Erfahrung?

Erfahrungen sind ebenfalls wichtig: Wenn man schon einmal etwas geschafft hat, kann man beim nächsten Mal auch optimistischer sein, dass es wieder klappt. Wenn es schon öfter nicht geklappt hat, zu Punkt 1 wechseln.

► Sich informieren, aber nicht vollstopfen

Wer gerade ununterbrochen Nachrichten schaut, stopft sich mit Infos voll, die er irgendwann nicht mehr richtig einordnen kann. Manche Menschen werden regelrecht süchtig nach Aktualisierungen. Einmal am Tag reicht! So halten Sie Ihre Gehirnspeicher auch für den Alltag frei und verfallen nicht in eine endlose Pessimismus-Schleife.

Optimisten leben glücklicher, Pessimisten sind besser vorbereitet?

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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