Pyronale 2022 in Berlin : Feurig schöner Funkenflug im Olympiastadion

Die Pyronale ist zurück in Berlin. Die weltbesten Feuerwerkskünstler messen sich an diesem Wochenende: Wer zaubert die schönste Lichtshow an den Himmel?

Pyronale 2022 in Berlin : Feurig schöner Funkenflug im Olympiastadion

Himmlische Spiele. Am Freitag begann die Pyronale am Olympiastadion.Foto: dpa

Was für ein Tanz! Rote Feuerkugeln ziehen in rhythmischen Schwüngen silbrig glitzernde Funkenbänder hinter sich her, fliegen im harmonischen Einklang mit der Musik gen Himmel. Dort werden sie eingeholt von weiteren Feuerwerkskörpern, die in regenbogenfarbenen Kugeln zu einem Blütenmosaik explodieren.

Komisch eigentlich, dass das Team von Gran Canaria, das diese filigranen Gebilde zur Einstimmung auf die vertrauten Himmelsblumen choreographiert hat, in der Publikumsgunst zunächst etwas zurücksteht. Auf dem Maifeld am Olympiastadion gibt es am Freitagabend den ersten Teil der Pyronale zu sehen.

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Draußen vor dem Südtor des Olympiastadions haben Zaungäste ihre Picknickdecken ausgebreitet. Auch von vielen Balkonen der Stadt ist der große Wettstreit der weltweit besten Feuerwerkskünstler zu sehen. Aber die Hauptsache bleibt den etwa 20 000 Zuschauern auf dem Maifeld vorbehalten: Das anrührende Ballett von Abertausenden Feuerfunken zu populären Musikklassikern.

Für die Kür dürfen sich die Feuerwerker Stücke aus einer vorgegebenen Auswahl aussuchen. Beliebt sind offensichtlich der Walzer „An der schönen blauen Donau“ und der Radetzkymarsch. Aber auch Tschaikowskys „Nussknacker“ und „Schwanensee“ sind überaus kompatibel mit dem domptierten Flug der Feuerfunken.

Gewinner der Herzen

Am Ende geht es darum, welches Team besser ist: Die Schweizer oder die Mexikaner. Die Experten, darunter Spitzenkoch Hans-Peter Wodarz, der von Anfang an seit 2006 in der Jury dabei ist, und Bausenator Andreas Geisel, ebenfalls Jurymitglied, und auch der kenntnisreiche kleine Junge in der hinteren Tribünenreihe stimmen alle für die Schweiz, weil da das Zusammenspiel zwischen Musik und Feuershow präziser, passender sei.

Eine Feuershow wie ein Schweizer Uhrwerk halt. Das Publikum, das per Handy abstimmen darf, wählt die Mexikaner, die mit einer furiosen Show zur Europa-Hymne gepunktet haben. „Die Mexikaner sind die Gewinner der Herzen“, urteilt Hans-Peter Wodarz souverän. „Aber die Schweizer waren besser.“

Jedenfalls wissen die Schweizer, dass zur wahren Kunst Verzicht gehört. Eine kleine bedächtige Pause steigert die Spannung vor dem furiosen Funkenbild, elegante Schwünge nach rechts und nach links, als hätten Feuerspuren Hüften. Da steckt schon viel Einfallsreichtum dahinter.

Dazu passt die feine, vielleicht an der Nationalflagge orientierte Farbdominanz von Rot und Weiß. Bei den Mexikanern bricht sich hingegen eine fast kindliche Lust am vollen Materialeinsatz die Bahn, schließlich repräsentieren sie hier auch lateinamerikanisches Temperament. Sie lassen es knattern und knallen und wuchtig in Tausenden von kleinen goldenen und silbernen Sternchen blitzen zu den jubelnden Klängen von „Freude, schöner Götterfunken“. Eine farbenfrohe Explosion am Nachthimmel über dem Maifeld folgt der nächsten.

Funkelnde Träume

Die Begeisterung der umsitzenden Kinder, die vor lauter hingerissenem Staunen ihr Eis tropfen lassen, gibt einen guten Eindruck davon, wieviel Freude dieses bunte Himmelsfunkeln auslösen kann. Da hat der Mond, der vor Beginn so satt als Sichel am Himmel liegt, sich schon diskret zurückgezogen. „Lebe deinen Traum“, so beginnt es bei den Mexikanern schon mit einigem Pathos, das sich in den blitzenden Blumen, wogenden Ähren und goldenen Kelchen immer weiter steigert.

Das Motto der Schweizer „Lights and Shadows“ deutet subtil auf die unterschiedlichen Dimensionen des Feuerwerks hin, auf die Schatten-Assoziationen, die im Hintergrund lauern. Funken entfachen Flammen, die in Krieg und Dürre zum Inferno werden können. Feuer wärmt nicht nur, es kann auch gefährlich werden.

Nicht umsonst haben die Veranstalter im Zusammenwirken mit der Feuerwehr hier strenge Sicherheitsmaßnahmen entwickelt. Es fügt sich gut, dass dies ein kühler Abend ist, und der Wind die weißen Rauchspuren weg von den Zuschauern bläst.

Kunst für Könige

Seit etwa 1400 Jahren feilen Menschen an der Kunstform des Feuerwerks. An Königs- und Fürstenhöfen war die Lichtshow am Himmel ein beliebtes Zeremoniell, Mittel auch der Selbstinszenierung. Pyronale-Geschäftsführer Mario Hempel erzählt von einem Teilnehmer der frühen Jahre, den die britische Queen geadelt habe, weil ihr seine Feuerwerkskunst so gut gefallen hat.

Nach Berlin als Austragungsort eines Feuerwerk-World-Championats pilgern Fans von weit her. Begutachtet werden neben Kreativität, Farben und Effekten auch die Synchronisation zur Musik und die Sicherheit beim Aufbau der Pyrotechnik.

Auf dem Maifeld vereinigen sich an diesem Abend Power und Präzision auf kunstvolle Weise zu purer Poesie. Die Seelensprache der Musik harmoniert herzerwärmend mit dem Jupiter-Element. Dreidimensionale Feuerbilder haben eine Ausdehnung von bis zu 150 Metern. In Zahlen lässt sich die Faszination, die von dem musikalisch untermalten Goldregen am Himmel ausgeht, freilich nicht ausdrücken.

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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