„So können wir keine Bundesliga spielen“ : Der 1. FC Union muss vor dem Derby noch seinen Rhythmus finden

Der 1. FC Union ist mit Ach und Krach in die zweite Runde des DFB-Pokals eingezogen. Vor dem Derby gegen Hertha wartet noch viel Arbeit auf das Team.

„So können wir keine Bundesliga spielen“ : Der 1. FC Union muss vor dem Derby noch seinen Rhythmus finden

Die Spieler von Union Berlin feiern den Einzug in die zweite Pokalrunde.Foto: imago images/Behrendt

Als der 1. FC Union das letzte Mal an der Chemnitzer Gellertstraße einen so späten Sieg feiern konnte, war die Welt noch eine andere. Nicht nur der Gegner trug damals einen anderen Namen, sondern auch das Stadion und die Stadt. Das 3:2, mit dem Union 1988 im damaligen Kurt-Fischer-Stadion beim FC Karl- Marx-Stadt den Oberliga-Klassenerhalt sicherte, gilt noch heute als eines der legendärsten Spiele der Vereinsgeschichte.

Für einige Berliner mag es sich also etwas nostalgisch angefühlt haben, als Kevin Behrens am Montag in der 114. Minute zur 2:1-Führung einköpfte und Union in die zweite Runde des DFB-Pokals schoss. Bei den meisten Beobachtern herrschte anschließend aber wohl nur Erleichterung. Denn inzwischen sind die Kräfteverhältnisse deutlich anders als vor 34 Jahren.

Der damalige Außenseiter Union war nun als Bundesligist klarer Favorit, und blieb mit dem knappen Erfolg gegen den Viertligisten aus Sachsen deutlich unter den Erwartungen. „Es sollte eigentlich besser funktionieren. So wie wir heute gespielt haben, können wir keine Bundesliga spielen“, beschwerte sich Manager Oliver Ruhnert nach dem Spiel am Sky-Mikrofon.

Zum Glück spielte man am Montag noch bei einem unterklassigen Gegner im Pokal, doch mit Blick auf den Ligaauftakt gegen Hertha am kommenden Samstag blieb es trotzdem ein etwas ernüchternder Auftritt der Köpenicker. Vor dem Stadtderby am ersten Spieltag hätte man sich eine bessere Generalprobe gewünscht. Auch, wenn Hertha am Sonntag selbst sein blaues Wunder im Pokal erlebte.

Als „Schuss vor den Bug“ beschrieb Trainer Urs Fischer auf der Pressekonferenz die enttäuschende Leistung seiner Spieler. Nach dem durchaus beeindruckenden Sieg gegen Premier-League-Aufsteiger Nottingham Forest im letzten Testspiel war dies eine rechtzeitige Erinnerung daran, dass sich die Mannschaft in der neuen Saison noch finden muss. „Du weißt nicht so recht, wie du stehst“, sagte Fischer. „In den Testspielen sahen wir nicht schlecht aus, aber wenn es um etwas geht, sieht es dann etwas anders aus. Wir müssen uns steigern“.

Die Mannschaft muss sich noch finden

Dass die Mannschaft zu diesem sehr frühen Zeitpunkt noch nicht in Topform ist, war teilweise auch zu erwarten. Denn wie auch in den vergangenen Jahren hat es in diesem Sommer einen großen Kader-Umbruch in Köpenick gegeben. „Wir haben wieder viele Neue dazu bekommen, die wir integrieren müssen. Dieser Rhythmus, die Kraft, über 90 oder 120 Minuten zu gehen, die kommt erst nach und nach“, sagte Verteidiger Robin Knoche nach den 120 harten Minuten im Vereinsfernsehen.

Dabei gab es am Montag nur zwei Neuzugänge in der Startelf, doch auch zwischen den Spielern, die sich seit längerem kennen, gab es immer wieder Abstimmungsprobleme. Während Fischer die fehlende Aggressivität im Pressing bemängelte, kritisierte Ruhnert vor allem das etwas stumpfe Spiel mit dem Ball. Tatsächlich gab es immer wieder Fehlpässe, einfache Ballverluste und Solo-Läufe ins Niemandsland.

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Einige gute Ansätze gab es aber auch. Der neue Stürmer Jordan Siebatcheu krönte sein insgesamt vielversprechendes Pflichtspieldebüt mit einem Traumtor, und zumindest phasenweise zeigte sich Union in der Lage, auch ohne die abgewanderten Grischa Prömel und Taiwo Awoniyi Torchancen zu kreieren.

Ohne die großartige Leistung des Chemnitzer Torwarts Jakub Jakubov hätten die Berliner wohl schon nach 90 Minuten nach Hause fahren dürfen. Auch deshalb geht man trotz der enttäuschenden Leistung und der vielen Baustellen optimistisch in die Derby-Woche. „Der Trainer wird den Finger in die Wunde legen“, sagte Knoche. „Wir werden natürlich am nächsten Samstag bereit sein und werden zu Hause ein Feuerwerk abbrennen.“

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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