Sönke Wortmann macht lieber Yoga statt Chemie in der Schule

Sönke Wortmann macht lieber Yoga statt Chemie in der Schule

Sönke Wortmann (62) war in der Schule Mittelmaß. Chemie hat er nie kapiert Foto: picture alliance / Panama Picture

Sönke Wortmann hat mit „Eingeschlossene Gesellschaft“ einen Film über Eltern und Lehrer gedreht und schlägt vor, was man am Schulsystem verbessern könnte.

Endlich wieder richtige Film-Premieren nach langer Corona-Pause! Am Mittwoch lud Sony Pictures zur Komödie „Eingeschlossene Gesellschaft“ (Start: 14. April) im UCI-Kinocenter am Mercedes Platz.

Darin geht es um einen Vater (Thorsten Merten), der sechs Lehrer in Geiselhaft nimmt, um die Abiturzulassung seines Sohnes zu erzwingen. Justus von Dohnányi (61) mimt einen konservativen Latein-Lehrer, Anke Engelke (56) eine schrullige Schreckschraube, Nilam Farooq (32) die verständnisvolle Referendarin und Florian David Fitz (47), der in diesen Tagen verriet, Vater geworden zu sein, spielt einen Sportlehrer.

Star des Abends war jedoch Regisseur Sönke Wortmann (62), der mit „Der bewegte Mann“ oder „Frau Müller muss weg!“ schon mehrmals zeigte, wie man die Deutschen zum Lachen bringt.

Sönke Wortmann macht lieber Yoga statt Chemie in der Schule

Bei der Premiere: Nilam Farooq, Florian David Fitz, Anke Engelke, Justus von Dohnányi und Sönke Wortmann (v. l.n.r.) (Foto: picture alliance / AAPimages/Lueders)

B.Z.: Warum behandeln Sie nach „Frau Müller muss weg!“ zum zweiten Mal das Bildungssystem?

Sönke Wortmann: Damals, 2016, war es die Sicht der Eltern, diesmal sind es die Lehrer, und trotzdem ist es ein ähnliches Prinzip. Die Lehrerin Frau Müller ging ja tatsächlich weg und war nicht mehr da, und hier ist es der Vater, der 45 Minuten lang verschwindet, sodass sich die Übriggebliebenen zerfleischen können. Trotzdem sollte es kein Lehrer-Bashing werden.

Haben Sie eher Mitleid mit Lehrern?

Im Film hat sich jeder von ihnen anders eingerichtet. Justus von Dohnányi ist in seiner Figur völlig abgeschottet und auch Anke Engelke als Frau Lohmann sagt, das ist so und bleibt so. Alles andere wird ausgeblendet. Und bei der jungen Referendarin, von Nilam Farooq gespielt, frage ich mich, ob sie in 30 Jahren auch noch so optimistisch sein wird. Ein bisschen Leid tut mir Torben Kessler als Chemielehrer, weil er von den anderen immer so gedisst wird.

Sönke Wortmann macht lieber Yoga statt Chemie in der Schule

Anke Engelke als schrullige Lehrerin Heidi Lohmann (Foto: SONY Pictures/BantryBay Productions GmbH)

Im Film werden Lehrer sogar handgreiflich, da fühlte man sich gleich an den Fall Will Smith erinnert …

Ja, man entdeckt immer wieder was Neues, was oft gar nicht mein Plan war. Ich wusste ja noch nicht, dass Chris Rock eins in die Fresse kriegt. Ich war ziemlich entsetzt und finde, das geht gar nicht. Mich hat es gewundert, dass Smith nicht des Saals verwiesen wurde. Andererseits aber auch nicht, denn so etwas ist das erste Mal passiert und anfangs dachte wohl jeder, das ist inszeniert, vielleicht auch die Saal-Ordner.

Wie gut können Sie sich an Ihre Pauker erinnern?

Solche Lehrer-Typen kannte ich auch, und jeder, den ich spreche, kennt drei bis vier davon. In Englisch hatte ich auch so jemand wie Justus von Dohnányi und in Sport jemand wie Florian David Fitz. Aber ich hatte kein einschneidendes Erlebnis gehabt, weder hat mich Schule traumatisiert noch habe ich dort Triumphe gefeiert. Ich war immer Mittelmaß, also weit davon entfernt, ein Einser-Schüler zu sein oder sitzen zu bleiben.

Heute glauben alle, man müsse Abitur haben, um es im Leben zu etwas bringen zu können. Wie denken Sie darüber?

Es ist immer leicht, darüber zu reden, wenn die eigenen Kinder keine Probleme in der Schule haben. So ist das zumindest zum Glück bei uns. Aber wenn mein Sohn sagen würde, er möchte eine Schreinerlehre machen, würde ich jubeln.

Sönke Wortmann macht lieber Yoga statt Chemie in der Schule

Sportlehrer Peter Mertens (Florian David Fitz) kungelt was aus mit Kollegen (Torben Kessler, r.) (Foto: SONY Pictures/BantryBay Productions GmbH)

Aber Abitur war schon wichtig?

Nein, Hauptsache, die Kinder sind glücklich. Außerdem bewundere ich Leute, die ihren Job können. Bei Handwerkern kann man es gut beurteilen, während es in meinem Beruf eher Geschmackssache ist. Der eine mag meine Filme, der andere nicht. Aber wenn man einen Schrank bauen kann und es passt alles und knirscht nicht, hat das für mich etwas sehr Schönes.

Sie wollten zuerst Fußball-Profi werden …

Sportler ist ja weder das eine noch das andere, weder Handwerk noch intellektuell. Ich komme aus dem Arbeitermilieu, weshalb es bei uns damals sehr selten war, dass jemand von uns aufs Gymnasium ging. Aber ich war der Beste in der Grundschule, weshalb sich die Frage gar nicht stellte, ob ich wie mein Vater in den Bergbau gehen würde. Auf dem Gymnasium war ich dann nicht mehr Klassenbester, aber es hat gereicht.

Waren Ihre Eltern stolz auf Sie oder gar nicht?

Das waren sie schon, sie haben die Bildung für uns drei Kinder erst ermöglicht, was ich toll fand. Sie hätten ja auch sagen können, nee, du gehst auch in den Bergbau.

Was halten Sie vom deutschen Schulsystem?

Es ist schon gut, dass alle erst einmal eine Chance haben, und wenn du studieren willst, musst du nicht wie in vielen anderen Ländern horrende Gebühren bezahlen. Inhaltlich jedoch können wir besser und flexibler werden.

Sönke Wortmann macht lieber Yoga statt Chemie in der Schule

Regisseur Wortmann (hinten Mitte) beim Gruppenbild vor Drehbeginn mit Schauspielern und Offiziellen von Filmfirma und Filmstiftung NRW (Foto: SONY Pictures/BantryBay Productions GmbH)

Wie meinen Sie das?

Es herrscht noch oft der Grundsatz, dass alles so bleibt wie es ist, weil sich das bewährt hätte. Dabei stimmt das gar nicht. Etwa, dass Schulbeginn um 8 statt 9 Uhr sein muss. Dabei kann man die erste Stunde glatt vergessen. Da sind die Kinder quasi noch im Koma. Da fehlt eine gewisse Flexibilität, glaube ich.

Wie ließe sich das Ihrer Ansicht nach verbessern?

Ich bin jetzt nicht so im Thema, um einen Leitfaden anbieten zu können, wie man das deutsche Schulsystem verbessern sollte. Aber nehmen wir mal zum Beispiel Chemie. Als Angebot ist das erst mal super, aber dann gibt es Leute wie mich, die schon nach einem Jahr wissen, das ist nichts für mich. Ich kapiere es nicht und werde es auch nicht kapieren. Warum kann ich dieses Fach nicht schon früher abwählen, um mich auf Fächer zu konzentrieren, die mir liegen. Oder wie wäre es, neue Fächer zu erfinden.

Die da wären?

Yoga zum Beispiel. Die Beschäftigung mit dem eigenen Körper und der eigenen Seele wäre zumindest in meinem Fall besser gewesen als viele Jahre Chemie, Physik oder Biologie pauken zu müssen.

Sönke Wortmann macht lieber Yoga statt Chemie in der Schule

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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