Tag 147 des Ukraine-Kriegs : Von fehlenden Bodenraketen und lokal begrenzten Angriffen

Scholz plant weitere Entlastungen, Polen wirft Deutschland „Täuschungsmanöver“ vor, Lösung für Getreideausfuhr vereinbart. Der Überblick am Abend.

Tag 147 des Ukraine-Kriegs : Von fehlenden Bodenraketen und lokal begrenzten Angriffen

Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik veröffentlichte Bild zeigt russische Soldaten auf einem…Foto: picture alliance/dpa/Sputnik

Machen sich bei den russischen Truppen im Kampfgebiet Abnutzungserscheinungen breit? Geht es nach Einschätzung von Geheimdiensten und Experten, scheint dies so.

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So hatte der britische Militärgeheimdienst heute berichtet, dass Russland spezifische Bodenraketen ausgehen. Deshalb würden verstärkt Luftabwehrraketen eingesetzt. Diese könnten aber Ziele am Boden verfehlen – denn sie sind für den Abschuss von Flugzeugen und Raketen gedacht.

Der kanadische Militärgeheimdienst wiederum berichtet, dass die Truppen wegen Verlusten bei Ausrüstung und Personal „wahrscheinlich nicht mehr die militärischen Möglichkeiten hätten“, um ihre Ambitionen in der Ukraine zu verwirklichen. Sie seien nun gezwungen, ihre strategischen Ziele herunterzuschrauben.

Auch die Experten vom Military-Thinktank Institute for the Study of War stellen fest, dass die russischen Truppen in den Gebieten um Siwersk und Bachmut in der Region Donezk nach der operativen Pause keine größeren Gebietsgewinne erzielt hätten. Es gebe lediglich einige begrenzte und sehr lokale Bodenangriffe. 

Das Tempo unterscheide sich nicht wesentlich von dem während der offiziell erklärten Pause. Das ISW jedenfalls schätzt, dass die russische Offensive ihren Höhepunkt erreichen wird, ohne dass sie Bachmut oder Slowjansk erobern konnten.

DIE WICHTIGSTEN NACHRICHTEN DES TAGES IM ÜBERBLICK

  • Angesichts der sich abzeichnenden gewaltigen Mehrbelastungen für Bürger und Unternehmen bei den Energiekosten plant Bundeskanzler Olaf Scholz weitere milliardenschwere Entlastungen. Zudem steigt der Staat beim Energieversorger Uniper ein. Alle Details erfahren Sie hier.
  • Polen hat die Bundesregierung im Zusammenhang mit dem geplanten Ringtausch für Waffenlieferungen an die Ukraine scharf kritisiert.„Die deutschen Versprechen zum Panzer-Ringtausch haben sich als Täuschungsmanöver erwiesen“, sagte Vize-Außenminister Szymon Szynkowski vel Sek dem „Spiegel“. Mehr dazu hier.
  • Nach Angaben des MI6-Chefs Richard Moore wurde die Hälfte aller russischen Geheimdienstler in Europa seit Beginn des Krieges ausgewiesen. Nach letzter Zählung handele es sich um „etwa 400 russische Geheimdienstler, die unter diplomatischer Tarnung arbeiten“, sagte Moore Medienberichten zufolge. Die Details.
  • Japan hat vor zunehmender militärischer Bedrohung durch Russland und einem wachsenden Druck Chinas auf Taiwan gewarnt. Insbesondere bestehe die Gefahr, dass vom russischen Angriffskrieg die Botschaft ausgehe, dass ein Versuch, „einseitig gewaltsam den Status Quo zu verändern, akzeptabel ist“, hieß es. Mehr dazu lesen Sie hier.
  • Russland und die Ukraine haben mit den Vereinten Nationen und der Türkei eine Lösung für die Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine vereinbart. Sowohl Russland als auch die Ukraine unterzeichneten getrennt voneinander entsprechende Vereinbarungen. Mehr dazu in unserem Newsblog.
  • Die Behörden in Russland haben Ermittlungen gegen eine Oppositionspolitikerin aus Sibirien eingeleitet, die Kritik an den aufwändigen Begräbnissen für die in der Ukraine getöteten Soldaten geübt hatte. Ihr wird demnach die „öffentliche Verbreitung von Falschinformationen über den Einsatz der Streitkräfte“ vorgeworfen.
  • Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat der russischen Armee Folter, illegale Verhaftungen und Freiheitsberaubung von Zivilisten im Süden der Ukraine vorgeworfenSie hätten die besetzten Gebiete in einen Abgrund der Angst und der wilden Anarchie verwandelt, hieß es.
  • Die prorussische Verwaltung der ostukrainischen Separatistengebiete hat nach eigenen Angaben den Zugang zu Google blockiert. Der US-Internetkonzern befördere Gewalt gegen Russen, schrieb Separatistenführer Denis Puschilin im Onlinedienst Telegram. 
  • Netzdaten zufolge fließt weiter kontinuierlich Gas durch die Pipeline Nord Stream 1. Wie aus Angaben der Nord Stream AG hervorgeht, wurden in der Nacht und am frühen Morgen konstant knapp 29,3 Gigawattstunden pro Stunde geliefert. 

HINTERGRUND UND ANALYSE

1. Um 22 Uhr beginnt in Charkiw der Raketenterror: „Ich berichte, um nicht den Verstand zu verlieren“

Es sei nur schwer zu ertragen: Kriegsreporterin Maria Avdeeva dokumentiert seit Kriegsbeginn alle Phasen des russischen Angriffs auf ihre Heimatstadt Charkiw.

2. Gesellschaft ohne Eigenschaften: Die Angst Putins vor seinem Volk

Der russische Präsident lässt auch Anhänger seiner Kriegspolitik verfolgen. Überzeugungen sind ihm suspekt. Was Putins Umgang mit Nationalisten über den Ukraine-Krieg lehrt

3. Tichanowskaja zur Kriegsrolle von Belarus: „Lukaschenko zahlt gerade eine Schuld zurück“

Die belarussische Oppositionsführerin über das Verhältnis des Regimes zu Putin und über ihren Mann, der in einer zwei mal zwei Meter großen Zelle gefangen ist.

4. Folgen des Gas-Streits mit Russland: Putin, die Ukraine und wir – ein brenzliges Trio

Die Politik muss deutlich machen, wie sie die Bevölkerung vor den Folgen der Energieverknappungen schützen kann. Das wird immer schwieriger. Ein Kommentar.

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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