Tag der Befreiung in Berlin : Ukrainischer Außenminister kritisiert Flaggenverbot in Berlin

Zwei Gedenktage, viele Veranstaltungen – unsere Autoren berichten von den Kundgebungen zum Erinnern ans Ende des Weltkriegs am 8. und 9. Mai in der Stadt.

Tag der Befreiung in Berlin : Ukrainischer Außenminister kritisiert Flaggenverbot in Berlin

Vereinzelt mussten Polizisten Fahnen einsammeln wie hier vor dem Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten.Foto: Christophe Gateau/dpa

Auf vielen Kundgebungen in der Stadt wird am Sonntag und Montag der Kapitulation Nazideutschlands vor den Streitkräften der westlichen Alliierten und vor der Roten Armee 1945 gedacht. Beide Tage haben in diesem Jahr wegen des Krieges in der Ukraine eine besondere Brisanz. In unserem Live-Blog können Sie verfolgen, wie die Gedenkkundgebungen verlaufen.

[Erinnerung und Gedenken in Berliner Kiezen sind immer wieder Thema in den bezirklichen Newslettern vom Tagesspiegel, ganz unkompliziert und kostenlos bestellen unter leute.tagesspiegel.de]

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Melnyk erklärt kurzerhand Fahnenträger zu seiner Delegation

An zwei Tagen, dem 8. und 9. Mai, wird in Berlin an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa vor 77 Jahren erinnert. Im Lichte des Ukraine-Kriegs ist dieser Jahrestag diesmal spannungsreich. Das zeigte sich am Sonntag bereits bei der Kranzniederlegung vor dem sowjetischen Ehrenmal an der Straße des 17. Juni.
Die Polizei hatte zuvor für eine Reihe von Gedenkorten das Zeigen jeglicher Flaggen untersagt. Ausgenommen waren nur „Botschafter und ihre Delegationen“. Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk erklärte daraufhin die meisten Menschen am Ehrenmal kurzerhand zu seiner Delegation erklärt. Tatsächlich ließ die Polizei alle anderen Menschen mit kleineren Ukraine-Flaggen gewähren im streng kontrollierten Sicherheitsbereich am Mahnmal.
Das allerdings empörte die Anhänger kommunistischer Splittergruppen und der Friedensbewegung, die Stimmung heizte sich während des Gedenkens beträchtlich auf. Ukrainer fingen an zu singen, deutsche Kommunisten begrüßten Egon Krenz mit Jubel. Letztlich drängte die Polizei alle Demonstranten auf die andere Straßenseite ab.

Lesen Sie die Zusammenfassung des Tages im folgenden Artikel. Damit beenden wir auch unsere Live-Berichterstattung vom Sonntag – den Montag werden wir wieder in diesem Blog begleiten. Dann werden auch die putinfreundlichen Rocker der “Nachtwölfe” in Berlin erwartet. tagesspiegel

Melnyk-Forderung: Ein ukrainisches Mahnmal in Berlin

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk war am Sonntag nicht nur beim Gedenken in Berlin zugegen. Er sprach auch in Potsdam zum Brandenburger Landtag. Dabei forderte er auch, in der Bundeshauptstadt ein Mahnmal für die im Zweiten Weltkrieg ermordeten Ukrainerinnen und Ukrainer zu errichten. Die Ukraine sei „fast komplett abwesend in der Topografie der deutschen Erinnerung“. Die sei bisher auf Russland fixiert gewesen. tagesspiegel

Aufgeheizte Stimmung im Treptower Park 


Am sowjetischen Ehrenmal in Treptow geraten immer wieder pro-russische Besucher und Ukrainer verbal einander. Die Polizei ist jedoch immer schnell zur Stelle, um die verfeindeten Lager zu trennen. In diesem Fall war eine Diskussion über das untergegangene russische Kriegsschiff „Moskwa“ entbrannt. Ein Russisch-stämmiger Mann beschimpfte eine Gruppe von Ukrainern daraufhin als „Faschisten“. 

Franziska Giffey ruft zur Solidarität mit der Ukraine auf

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Franziska Giffey in der Markthalle Neun   Bild: Christoph M. Kluge Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) spricht in der Markthalle Neun in Kreuzberg bei der Veranstaltung “Leuchtturm Ukraine”, einem Begegnungstag für Geflüchtete und Helfende in Berlin. 
Am “Tag der Befreiung” werde der vielen Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht. Doch der Krieg sei zurück in Europa, sagt Giffey. “Berlin ist die Stadt der offenen Arme und der offenen Herzen.” Etwa 100.000 Menschen aus der Ukraine seien jetzt in der Stadt untergebracht. Es sei daher wichtig, an diesem Tag zu betonen, “dass wir solidarisch an der Seite der Ukraine stehen”.

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“Leuchtturm Ukraine” in Kreuzberg   Bild: Christoph M. Kluge Danach fordert ein Aktivist von Fridays for Future Ukraine ein Öl- und Gasembargo gegen Russland. Er ringt nach Worten, als er über Freunde spricht, die bei russischen Angriffen gestorben seien.

Der Begegnungstag wird veranstaltet von der Allianz ukrainischer Organisationen (AUO), GermanDream und der Alliance4Ukraine.

Neonazis vom Dritten Weg demonstrieren in Mitte 

Eine der zahlreichen angemeldeten Demonstrationen heute stellt sich erst vor Ort als Aufmarsch von Rechtsextremisten heraus. Mehrere bekannte Akteure des Berliner Ablegers des Dritten Wegs haben offenbar eine pro-ukrainische Demonstration angemeldet. 
Die Neonazi-Partei gilt als Unterstützer des rechten Asow-Regiments, das unter anderem für die ukrainische Armee in Mariupol kämpft. Seit Jahren bestehen enge Kontakte zwischen deutschen und ukrainischen Neonazis. Etwa 50 Menschen sind dem Aufruf gefolgt und ziehen aktuell über die Ebertstraße zum Potsdamer Platz. Darunter sind auch Ukrainer und Ukrainerinnen. Es bleibt unklar, ob sie wissen wem sie hinterherlaufen. Ein Großteil der pro-ukrainischen Demonstranten auf Berlins Straßen heute ist jedoch nicht vor Ort, sondern sammelt zurzeit am Lustgarten.  

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Der Dritte Weg demonstriert für die Ukraine   Bild: Julius Geiler

Verschwörungsideologen provozieren am Treptower Park

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Einsamer Demonstrant am Ehrenmal Treptow   Bild: Christoph M. Kluge Mehrere Hundert Menschen spazieren in Kleingruppen über das Areal des Sowjetischen Ehrenmals in Treptow. In vielen Gesprächen ist der aktuelle Krieg Thema. Vor dem Erdhügel mit der großen Statue steht ein Mann mit einer blau-weiß-roten Fahne. Vor ihm bildet sich eine kleine Gruppe. Einsatzkräfte der Polizei kontrollieren die Fahne, lassen den Mann aber gewähren.

Es handle sich um die Fahne Sloweniens, sagt der Mann mit breitem Lächeln. Er selbst sei Österreicher und lebe in Berlin. Eine Bekannte filmt ihn und feixt. Sie selbst trägt eine Fahne der verschwörungsideologischen Gruppe “Freie Linke”, die vor allem durch Proteste gegen die Corona-Maßnahmen bekannt ist. Auch andere Umstehende tragen Symbole der Szene an der Kleidung.

Ganz offensichtlich erinnert die Fahne an die der Russischen Föderation, die hier nicht gezeigt werden darf. Ein anderer Mann fühlt sich dann auch provoziert von der Aktion, baut sich kurz vor dem Fahnenträger auf, doch dann winkt er ab und geht weiter. 

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Sowjetisches Ehrenmal in Treptow   Bild: Christoph M. Kluge

Dietmar Bartsch in Treptow

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Dietmar Bartsch in Treptow   Bild: Christoph M. Kluge Dietmar Bartsch, der Co-Vorsitzende der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, ist am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow, um der “Befreiung vom Hitlerfaschismus” zu gedenken, wie er sagt. “Die Völker der Sowjetunion haben gemeinsam mit den Alliierten die Last des Krieges getragen.” Er hoffe, dass das Gedenken nicht überschattet werde von Auseinandersetzungen über den Krieg in der Ukraine, und dass der Konflikt bald “mit diplomatischen Mitteln beigelegt” werden könne.

Polizei geht gegen Flagge und Plakat vor 

Nachdem der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk seinen Besuch am sowjetischen Mahnmal im Tiergarten beendet hat, sind immer noch hunderte Menschen vor Ort, um Blumen abzulegen und den Tag der Befreiung zu zelebrieren. Vereinzelt spricht die Polizei Menschen mit ukrainischen Flaggen an und bittet diese, die Fahnen einzustecken. 
Damit folgen die Beamten der Anordnung eines Flaggenverbots von russischen und ukrainischen Fahnen durch die Versammlungsbehörde. Auch ein Mann mit einem Schild, auf dem sich Putin ins Gefängnis gewünscht wird, wird von der Kriminalpolizei in Zivil angesprochen.  

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Kurz darauf musste der Mann das Mahnmal verlassen.   Bild: Julius Geiler Über eine Stunde war der ukrainische Botschafter Melnyk am Ehrenmal unter den Linden. Jetzt ist Ruhe eingekehrt. Entgegen den Absprachen mit der Polizei hatten viele Gäste Flaggen der Ukraine mitgebracht. Die Polizei ließ sie teilweise gewähren.

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Bild: Jörn Hasselmann

Linke “für Frieden” in Hohenschönhausen

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Toni Kraus (l.) und der Linke-Ortsverband in Hohenschönhausen   Bild: Christoph M. Kluge Am Ehrenmal in Alt-Hohenschönhausen führt der Ortsverband der Linkspartei eine kleine Kundgebung durch. Der Anmelder Toni Kraus sagt, in diesem Jahr gehe er mit gemischten Gefühlen an die Veranstaltung heran. Den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine lehne er ab. Dennoch sei das Gedenken wichtig. “27 Millionen sowjetische Menschen sind im Zweiten Weltkrieg gestorben.” Der Ortsverband demonstriere für Frieden.

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Ein Mann legt einen Kranz der Vereinigung der Verfolgen des Faschismus nieder. Einsatzkräfte der Polizei kontrollieren die Aufschriften auf verbotene Inhalte, haben jedoch nichts einzuwenden   Bild: Christoph M. Kluge

Gedenken an Ort der Unterzeichnung

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Panzer vor dem Museum   Bild: Christoph M. Kluge An einem Panzer vor dem Museum Karlshorst legen zwei Frauen Blumen nieder. Sie wohnen in der Nachbarschaft, sagen sie, gedenken jedes Jahr der Soldaten, die im Kampf gegen den Nationalsozialismus gefallen sind. Sie habe Sorge vor einem neuen Weltkrieg, sagt eine, lehne Waffenlieferungen an die Ukraine daher ab.

Im Speisesaal des Gebäudes, in dem sich während der NS-Zeit eine Heerespionierschule der Wehrmacht befunden hatte, unterzeichneten in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 die Oberbefehlshaber des deutschen Heeres, der Kriegsmarine und der Luftwaffe die Kapitulationurkunde. Damit ratifizierten sie die bedingungslose Kapitulation.

In der Sowjetunion wurde die Kapitulation am 9. Mai bekanntgegeben, dem ersten Friedenstag. Doch erst 1965 wurde der 9. Mai zum arbeitsfreien Tag ernannt. Ab der Breschnew-Ära wurde der Sieg alljährlich mit großen  Militärparaden in Moskau gefeiert. 

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An diesen Tischen wurde die Kapitulationsukunde unterzeichnet.   Bild: Christoph M. Kluge

Botschafter Melnyk legt unter Rufen Kranz am Ehrenmal nieder

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat am Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten einen Kranz zum Gedenken an die ukrainischen Gefallenen des Zweiten Weltkriegs niedergelegt. Mehrere hundert Menschen waren ebenfalls zum Mahnmal gekommen. Einige von ihnen skandierten bei der Kranzniederlegung des Botschafters “Melnyk raus”. Andere Teilnehmende begannen daraufhin mit ukrainischen Sprechchören. Viele trugen blaue und gelbe Kleidungsstücke – die Nationalfarben der Ukraine.
Ein Mann verteilte laut einem dpa-Reporter ukrainische Papier-Flaggen, die die Polizei aber rasch wieder einsammelte. Der Mann wurde demnach von den Beamten von der Veranstaltung weggeführt. Ein Polizeisprecher machte auf Anfrage dazu nächst keine Angaben.
Die Polizei hatte anlässlich des Gedenkens an das Weltkriegsende in Europa vor 77 Jahren am Sonntag und am Montag in Berlin für 15 Gedenkorte Auflagen erlassen, unter anderem ein Verbot von russischen und ukrainischen Fahnen. Ausgenommen von dem Verbot waren unter anderem Diplomatinnen und Diplomaten sowie Veteranen des Weltkriegs. (dpa)

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Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk ist am Sowjetischen Ehrenmal in Tiergarten eingetroffen. Es gibt laute Pfui-Rufe, einige skandieren “Melnyk raus” und “Nazi”.   Bild: Jörn Hasselmann Jörn Hasselmann

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Die Polizei hat das Einrollen dieses Transparents angeordnet. Kritik an der Bundeswehr sei nicht erwünscht, sagte ein Mitglied der Gruppe “Unentdecktes Land”.   Bild: Jörn Hasselmann Jörn Hasselmann

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Eine Delegation der ukrainischen Armee ist eingetroffen. Um 12 Uhr wird Botschafter Andrij Melnyk am Ehrenmal im Tiergarten erwartet.   Bild: Jörn Hasselmann Weitere Beiträge

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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