Verheerende Waldbrände in Brandenburg und Sachsen„Alles steht und fällt mit der Wetterlage“

Sechs Einsatzkräfte in Klinik ++ Schweine-Stall niedergebrannt ++ Großschadenslage ausgerufen ++ Brandfläche munitionsbelastet ++ Katastrophenalarm ausgelöst

Teilen Twittern Senden 26.07.2022 – 17:11 Uhr

Die Flammen sind kaum unter Kontrolle zu bekommen!

Bei Falkenberg im Landkreis Elbe-Elster im Süden Brandenburgs brennt der Wald lichterloh – auf einer Größe von 1200 Fußballfeldern! Der Landesfeuerwehrverband hat das Feuer am Dienstag als größten Waldbrand in diesem Jahr in Brandenburg bezeichnet.

Mehrere Ortschaften mussten bereits am Montag evakuiert werden, darunter die zur Stadt Falkenberg/Elster gehörenden Ortschaften Kölsa, Kölsa-Siedlung und Rehfeld. Betroffen waren Hunderte Einwohner.

► Einige von ihnen konnten am Dienstagmittag wieder aufatmen. Die Evakuierung von zwei Ortschaften sei wieder aufgehoben worden. Die Bewohner von Rehfeld und Kölsa können zurück in ihre Wohnungen, sagte eine Sprecherin des Landkreises Elbe-Elster am Dienstagmittag. Für die Ortschaft Kölsa-Siedlung bleibe die jedoch Evakuierung bestehen.

Weitere Evakuierungen am Dienstag zunächst nicht erforderlich. Das sagte der Leiter des Verwaltungsstabes im Kreis Elbe-Elster, Dirk Gebhard, laut Mitteilung am Dienstagnachmittag. „Aber die Gefahr ist noch nicht vorüber.“ Angekündigte Sturmböen von mehr als 60 Kilometern pro Stunde lösten die Sorge aus, dass das Brandgeschehen noch einmal an Dynamik gewinne.

Der Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes, Frank Kliem, sagte, die Situation sei auch besonders dramatisch, da Orte geräumt werden mussten und dies neben der Brandbekämpfung großen logistischen Aufwand bedeute. „Die Rettungskräfte sind doppelt gefordert“, sagte Kliem. Es müssten Ortschaften gesichert werden, um auch möglichen Plünderungen vorzubeugen.

► Bei der Brandbekämpfung mit rund 400 Einsatzkräften wurden sieben Einsatzkräfte verletzt, sechs von ihnen mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Außerdem griffen die Flammen auf eine Schweinemastanlage in Kölsa-Siedlung über – sie brannte nieder. „Eine Vielzahl an Tieren ist dabei verendet“, erklärte der Landkreis.

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Ein Feuerwehr-Fahrzeug im Kampf gegen den Brandenburger Waldbrand

Foto: spreepicture

Die Behörden hatten am Montagnachmittag eine Großschadenslage ausgerufen. Das aus zunächst unbekannter Ursache ausgebrochene Feuer in einem Waldgebiet mit Windkraftanlagen breitete sich angetriebene durch heftige Sturmböen rasch aus.

War zunächst ein Gebiet von mehr als 100 Hektar betroffen, vergrößerte sich die Fläche bis zum Dienstagvormittag auf rund 850 Hektar.

Auch am Dienstag besonders problematisch: Das Wetter! „Alles steht und fällt mit der Wetterlage“, sagte Kreis-Sprecher Torsten Hoffgaard am Vormittag. Er werde erwartet, dass der Wind zur Mittagszeit wieder auffrische, so dass sich das Feuer schneller ausbreiten könne.

„Der Großbrand breitet sich weiter dynamisch aus“, warnte der Landkreis. Die Sturmböen würden die Löscharbeiten „erheblich“ erschweren und teilweise sogar „unmöglich“ machen.

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Für die Einsatzkräfte ist das Feuer auch wegen Sturmböen nur schwer zu kontrollieren

Foto: spreepicture

Im Laufe des Dienstags wurden zwei Löschhubschrauber der Bundeswehr zur Unterstützung eingesetzt. Sie sollten Wasser aus dem Kiebitzsee aufnehmen. Dort war aus diesen Gründen das Baden verboten worden. Zudem soll die Bundesstraße 183 zwischen Kötten und dem Ortsteil Marxdorf der Stadt Uebigau-Wahrenbrück gesperrt werden.

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Quelle: info.bild.de

Brandfläche in Elbe-Elster teilweise munitionsbelastet

Das Waldbrandgebiet im Elbe-Elster-Kreis ist teilweise munitionsbelastet. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes habe dort einen kleinen Bereich als Verdachtsfläche ausgewiesen, wie der stellvertretende Waldbrandschutzbeauftragte Philipp Haase am Dienstag sagte.

Auch deshalb seien zwei Löschhubschrauber der Bundeswehr vor Ort. Die Feuerwehren könnten in diesem Bereich nicht auf die brennende Fläche. Es muss von außen und aus der Luft gelöscht werden. Zunächst hatte der rbb berichtet.

Besondere Gefahr: Baumkronenbrand

Der Waldbrand bei Falkenberg unterscheidet sich nach den Worten des Waldbrandexperten Philipp Haase von anderen Bränden im Land. „Wir reden hierbei von einem Baumkronenbrand, das Feuer läuft von Krone zu Krone und findet sehr viel brennbares Material wie Nadeln“, sagte der stellvertretende Waldbrandschutzbeauftragte am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Das Feuer brenne über den Spitzen der Bäume in einer Höhe von bis zu 25 Meter. Dort seien die Windgeschwindigkeiten auch höher als am Waldboden, die Flammen könnten sich schneller ausbreiten, so Haase. Für das Gebiet bedeute das einen „Totalverlust“ der Bäume. Das unterscheide den aktuellen großen Waldbrand von anderen Bränden in Brandenburg.

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Ein Fahrzeug der Feuerwehr kämpft sich durch das Brandgebiet

Foto: Jan Woitas/dpa

Waldbrand auch in Sachsen

Der im Nationalpark Böhmische Schweiz ausgebrochene Waldbrand ist auf der deutschen Seite angekommen. Nach einem Bericht des tschechischen Fernsehens wurde am Dienstagmorgen in Hrensko, einer Kleinstadt an der deutsch-tschechischen Grenze, ein Kinderferienlager evakuiert.

Demnach wurden etwa 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Bussen zur Grenze transportiert. Dort wurden sie von Kollegen aus Deutschland übernommen. Nach BILD-Informationen sollen die Gruppe aus Leipzig kommen.

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In der tschechischen Grenzstadt Hrensko wurde ein Kinder-Ferienlager evakuiert

Foto: Hajek Vojtech/AP

Vom Gebiet des Prebischtores in Tschechien aus habe sich das Feuer mit großer Geschwindigkeit bis in den Nationalpark Sächsische Schweiz ausgebreitet, teilte das zuständige Landratsamt Pirna mit. Für die Gemeinden Sebnitz und Bad Schandau löste das Landratsamt Katastrophenvoralarm aus. Nationalpark-Sprecher Hanspeter Mayr (59) zu am Dienstagmorgen zu BILD: „Ein Brandherd ist im Großen Zschand. Dort soll eine Schlauchleitung gelegt werden, um den Brand einzudämmen. Die Bundespolizei ist mit Hubschrauber und Wasserwerfern im und mehr als 240 Kräften im Einsatz.“

Eine Quelle: www.bild.de

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