Vor Start von „House of the Dragon“ und „Herr der Ringe“ : Aus Fantasy wird Phantasie

Warum ein „Game of Thrones“-Ableger und die Serienadaption von „Herr der Ringe“ Fans des Genres und die Streamingbranche in Wallung bringen.

Vor Start von „House of the Dragon“ und „Herr der Ringe“ : Aus Fantasy wird Phantasie

Unverkennbar eine Targaryen: Emma D’Arcy ist Prinzessin Rhaenyra.Foto: HBO

Um zu ermessen, was gespannte Vorfreude ist, musste man sich nur die Reaktionen auf den ersten Trailer zur zehnteiligen HBO-Serie „House of the Dragon“ anschauen. Der Ausblick auf das Nachfolgeprojekt von „Game of Thrones“ – das übrigens 200 Jahre früher angesiedelt ist als die Erfolgsserie – hatte gerade einmal eine Länge von 1:23 Minuten. Die Experten der Serie um die sieben Königslande und den ewigen Streit zwischen den Lannisters, Starks und Targaryens hielt das nicht von einer 100-Minuten-Traileranalyse ab. Dass die Serie auf George R.R. Martins Buch „Feuer und Blut – Aufstieg und Fall des Hauses Targaryen von Westeros“ von 2018 beruht, dürfte diese Aufgabe erleichtert haben.

Am Donnerstag wurde der zweite Trailer veröffentlicht. Der Pay-TV-Sender Sky, wo die HBO-Serie am 22. August starten wird, spricht angesichts einer Länge von zweieinhalb Minuten gar von einem „epischen Trailer“. Richtig ist sicherlich, dass die Fans von „Game of Thrones“ nun ganz genau wissen, dass sie sich im „House of the Dragon“ wie zu Hause fühlen können.

Am Hofe von König Viserys Targaryens kommt es zum Erbstreit um den Eisernen Thron zwischen seiner erstgeborenen Tochter Rhaenyra und ihrem jüngeren Bruder Daemon. Ein neuer Krieg droht, mit „zersplitternden Schilden und klingenden Schwertern“ – und natürlich mit den feuerspeienden Drachen.

Wenig später – am 2. September – beginnt für die Fans von J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“ mit „Die Ringe der Macht“ ein neues Zeitalter. Nach drei Kinofilmen und einer dreiteiligen Kinoadaption des Hobbit-Romans geht der Fantasy-Stoff in Serie – allein die erste Staffel soll umgerechnet 380 Millionen Euro gekostet haben, was sie zur teuersten Serie aller Zeiten machen würde.

380 Millionen Euro für „Die Ringe der Macht“

Fantasy beflügelt ganz klar die Phantasie. Sie ist so stark, dass Amazon bereits jetzt eine zweite Staffel in Auftrag gegeben hat.

Zeitlich geht der neue „Herr der Ringe“ den gleichen Weg wie „House of the Dragon“ – in die Vergangenheit. Die genaue Handlung ist zwar noch nicht bekannt, dafür aber, dass die neuen Kämpfe um Mittelerde 3000 Jahre vor Frodos heldenhaftem Fernkampf gegen Sauron stattfinden werden. Allein diese spärlichen Informationen reichen aus, um die Fans zu wildesten Spekulationen zu verleiten.

Gemein ist dabei beiden Fantasy-Serien die Verheißung auf epische Abenteuer in Zeiten, in denen die Regeln zwar martialischer, aber auch einfacher zu verstehen waren. Und in denen es allen Unbillen zum Trotz am Ende meist doch einen glücklichen Ausgang gab, wenngleich es bei diesem Aspekt deutliche Unterschiede zwischen Tolkiens „Herr der Ringe“ und Martins Fantasy-Welt gibt. Ein Wunder, dass es nach acht Staffeln „Game of Thrones“ überhaupt noch Leben auf Westeros gibt.

Aus Branchensicht ist die euphorische Vorfreude ebenfalls nur allzu verständlich. „House of the Dragon“ und „Herr der Ringe“ lassen die Streamingdienste HBO/Sky beziehungsweise Amazon von sprunghaften steigenden Abonnentenzahlen träumen. Denn nichts war in der Streamingwelt bislang auch nur annähernd so erfolgreich wie „Game of Thrones“.

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Das gilt gleichermaßen für den „Herr der Ringe“: Wenige Kino-Reihen können es mit dem Erfolg der Tolkien-Verfilmung aufnehmen. Das zeigt nicht zuletzt der Blick auf die Einspielergebnisse der „Ringe“- und der „Hobbit“-Trilogien. Weltweit kamen dabei zwischen 871 Millionen Dollar für den ersten Teil und 1,12 Milliarden Dollar für den dritten Teil vom „Herr der Ringe“ zusammen.

Nimmt man die drei „Hobbit“-Filme hinzu, addieren sich die Einnahmen auf 5,85 Milliarden Dollar. Mit Streamingserien lässt sich das zwar nicht direkt vergleichen, aber die Erwartung wird klar. Der Serien-Herbst, er kann kommen.

Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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