Waren wir heute schon dankbar?

Waren wir heute schon dankbar?

Glück entsteht durch Achtsamkeit für die vielen kleinen, schönen Momente des Alltags und der daraus resultierten Dankbarkeit Foto: Stock.adobe.com

Der Berliner Psychotherapeut Dr. Wolfgang Krüger erklärt, warum dieses Gefühl gerade in Krisenzeiten der Schlüssel zum Glück ist.

Oh Mann. Schon wieder so ein doofer Tag. Der Kollege extrem nervig, die Kassiererin im Supermarkt total unfreundlich, die Kinder maulig und dann auch noch die Mahnung vom Finanzamt. Wie soll man bei all dem noch gute Laune haben, geschweige denn glücklich sein?

„Wir neigen dazu, negative Dinge stärker zu empfinden“, erklärt der Berliner Psychotherapeut und Autor Dr. Wolfgang Krüger (73, „Macht und Leidenschaft in der Liebe“, BoD,14,99 Euro). „Die ausgefallene S-Bahn, die abgesagte Verabredung, die Tatsache, dass der Partner uns heute irgendwie komisch behandelt hat – solche Dinge drängen sich laut in unser Leben, wir nehmen sie als bestimmend wahr.“

Dass es uns dabei insgesamt doch ganz gut geht, vergessen wir oft: „Das Positive im Hintergrund fällt uns weniger auf, weil wir uns daran gewöhnt haben, wir nehmen es als selbstverständlich hin.“ Doch genau darin liegt eine große Gefahr, denn: „Wenn wir das Leben nur noch als Abfolge von negativen Ereignissen wahrnehmen, drängt sich eine pessimistische Grundhaltung in unser Gemüt.“ Wir ärgern uns ständig über Kleinigkeiten und sehen die schönen Dinge des Lebens nicht mehr – dabei sollten wir gerade dafür dankbar sein!

Und uns das bewusst zu machen, ist gerade jetzt wichtig: „Wir werden durch die Ukraine in Kriegsängste hineingezogen und merken, dass sich die Welt gerade fundamental ändert. Hoffnungen gehen unter den Ketten von Panzern kaputt, und wir wissen noch nicht, wo das alles endet. Das Grundgefühl ist Unsicherheit und Angst. Es ist wichtig, dass wir uns dagegenstemmen!“

Und dafür ist Dankbarkeit genau das richtige Mittel, denn dieses Gefühl ist entscheidend für unser Wohlbefinden – physisch und emotional. Der US-Psychologe Robert Emmons hat in einer Studie nachgewiesen, dass Dankbarkeit dabei hilft, unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere seelische Abwehrkraft zu stärken: Studienteilnehmer, die über einen Zeitraum ein Dankbarkeitstagebuch führten, fühlten sich vitaler und verspürten mehr Lebensfreude als diejenigen, die in ihrem Tagebuch nur negative Ereignisse notierten oder neutral erzählten, was sie erlebt hatten.

Dankbarkeit hilft auch bei der Prävention von Angst- und Panikerkrankungen und kann wie ein Schutzfaktor vor Depressionen und Suchterkrankungen wirken. Der Grund: „Gefühle wie Angst, Neid, Wut können schwer neben Dankbarkeit existieren. Es ist fast unmöglich, dankbar und frustriert zugleich zu sein“, erklärt Krüger.

Natürlich gibt es Situationen, in denen wir zu Recht über das Leben fluchen: „Eine schwere Erkrankung, ein untreuer Partner, ein Jobverlust – in solchen Situationen dürfen wir uns zugestehen, mal nicht positiv zu denken. Es gehört zu einem lebendigen Leben dazu, auch mal verärgert und wütend zu sein und sich aufzuregen“, betont der Psychotherapeut. „Aber wer sich in Dankbarkeit schult, gibt sich selbst die Chance, das Leben positiv zu erleben.“

Die gute Nachricht: Dankbarkeit kann man trainieren wie einen Muskel. „Nehmen Sie sich jeden Morgen vor dem Aufstehen fünf Minuten Zeit, um zu überlegen, wofür Sie dankbar sein können. Richten Sie die Aufmerksamkeit auf eine schöne Kleinigkeit – Ihre Stimmung wird dadurch automatisch steigen!“

Dieses Training führt nach einiger Zeit sogar zu neurobiologischen Veränderungen, die Forscher der University of Indiana im Gehirnscan nachweisen konnten. Ganz gewiss führt es aber dazu, dass wir uns bewusst machen, was wir haben – und dieses Gefühl macht glücklich und zufrieden. Gerade wenn die Welt um uns herum ins Schwanken gerät.

Waren wir heute schon dankbar?

Eine Quelle: www.bz-berlin.de

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