Warnstreik bei der Lufthansa : Das können Reisende bei Flugverspätungen und -ausfällen verlangen

Am Mittwoch drohen Flugausfälle und Verspätungen: Wie Lufthansa-Kunden trotzdem an ihr Ziel und zu ihrem Recht kommen.

Warnstreik bei der Lufthansa : Das können Reisende bei Flugverspätungen und -ausfällen verlangen

Keiner da? Bei der Lufthansa drohen am Mittwoch größere Flugausfälle.Foto: REUTERS/Timm Reichert

Das hat Urlaubern gerade noch gefehlt. Mitten in der Ferienzeit, in der sich ohnehin schon viele Reisende mit Chaos an den Flughäfen herumärgern müssen, ruft die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für Mittwoch zu einem ganztägigen Warnstreik bei der Lufthansa auf.

Der Streik soll am Mittwochmorgen um 3.45 Uhr beginnen und am Donnerstag um sechs Uhr enden. Betroffen sind alle Lufthansa-Standorte, also etwa Frankfurt am Main, Düsseldorf, Köln, Hamburg, München und Berlin, teilte Verdi am Montag mit.

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Der Streikaufruf richtet sich an die rund 20.000 Beschäftigten des Bodenpersonals. Diese kümmern sich um die Abfertigung der Passagiere, des Gepäcks und der Fracht, die Mitarbeiter warten zudem die Flugzeuge und sorgen dafür, dass die Maschinen an die richtigen Positionen geschoben werden. Der Warnstreik werde zu „größeren Flugausfällen und Verzögerungen“ führen, kündigte Verdi an.

Für die Reisenden, die am Mittwoch mit der Lufthansa fliegen wollten, ist das ärgerlich. Für sie gibt es allerdings einen Trost: Sie müssen nicht auf dem Schaden sitzen bleiben. „Wenn ein Streik in die Sphäre der Fluggesellschaft fällt, muss die Airline für eine Ersatzbeförderung sorgen und bei kurzfristigen Absagen auch eine Entschädigung zahlen“, sagt Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

[Was ist, wenn es mich trifft? Einen umfassenden Überblick über ihre Rechte finden Sie hier (T+)]

Auf außergewöhnliche Umstände könne sich die Lufthansa in diesem Fall nicht berufen, weiß die Rechtsexpertin. Anders könnte das sein, wenn etwa das Sicherheitspersonal am Airport streikt. Am Mittwoch geht es jedoch um die Beschäftigten der Lufthansa, die mehr Geld wollen. Damit ist die Lufthansa ihren Kunden gegenüber in der Pflicht.

Der Flug fällt aus: Das können Reisende tun

Fällt ein Flug dem Streik zum Opfer, haben Reisende mehrere Möglichkeiten: Sie können auf die Beförderung verzichten und sich das Geld fürs Ticket erstatten lassen. Sie können aber auch das Angebot annehmen, mit einem anderen Lufthansa-Flug zu reisen, oder in die Bahn umzusteigen.

Diese Alternative hat die Lufthansa in den vergangenen Wochen häufig bei Annullierungen angeboten. Notfalls kann man aber auch einen Ersatzflug bei einer anderen Airline buchen und die Kosten der Lufthansa in Rechnung stellen. Allerdings sollte man der Fluggesellschaft vorher eine Frist setzen, selbst für eine Ersatzbeförderung zu sorgen. Diese kann angesichts der Umstände auch notfalls nur wenige Stunden betragen.

Warnstreik bei der Lufthansa : Das können Reisende bei Flugverspätungen und -ausfällen verlangen

Was tun? Wenn der Flug kurzfristig ausfällt oder sich deutlich verspätet, haben Verbraucher Ansprüche auf Ersatzbeförderung und…Foto: dpa

Der Flug verspätet sich und jetzt?

Fällt der Flug nicht aus, sondern findet er mit Verspätung statt, können Reisende ebenfalls das Ticket zurückgeben und ihr Geld zurückverlangen. Allerdings setzt das voraus, dass die Verspätung mindestens fünf Stunden beträgt. Sowohl was die Annullierung als auch die Verspätung angeht, müssen sich Reisende nicht darauf einlassen, einen Gutschein zu akzeptieren, betont der Berliner Reiserechtsanwalt Roosbeh Karimi. Sie können Geld verlangen.

Eine Entschädigung obendrauf

Neben der Erstattung des Tickets beziehungsweise einer Ersatzbeförderung haben Reisende zusätzlich einen Anspruch auf eine Entschädigung nach der EU-Fluggastrechteverordnung. Wird der Flug annulliert oder kommt er mehr als drei Stunden verspätet am Ziel an, kann man eine Ausgleichszahlung verlangen. Diese beträgt zwischen 250 und 600 Euro – maßgeblich ist die Entfernung.

Wer Ihnen hilft

Internetdienstleister wie Flightright oder Fairplane bieten Kunden an, gegen Zahlung einer Provision (etwa ein Drittel) die Ansprüche durchzusetzen. Wer das Geld sparen will, kann seine Daten aber auch in die Flugärger-App der Verbraucherzentrale NRW eingeben und sich ausrechnen lassen, ob man Geld verlangen kann und falls ja, wieviel.

Die App liefert einen Musterbrief mit. Zahlt die Airline nicht, kann man sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr in Berlin wenden. Ihre Vermittlung ist für Verbraucher kostenlos.

Problematischer ist die Rechtslage, wenn sich Folgeprobleme stellen. Man verpasst ein Vorstellungsgespräch oder muss im Hotel übernachten, weil der Flieger nicht geht. Damit die Airline auch in diesen Fällen zahlt, muss man nicht nur einen wirtschaftlichen Schaden nachweisen, sondern die Lufthansa muss diesen auch verschuldet haben.

Das wäre etwa der Fall, wenn Reisende zu spät informiert werden. Allerdings haben die Kunden auch ihrerseits eine Schadenminderungspflicht, warnt Husemann. Man muss daher versuchen, Termine zu verschieben und sich auch aktiv über mögliche Verschiebungen bei den Flügen informieren.

Was ist mit dem Anschlussflug?

Ein häufiges Ärgernis: Man verpasst seinen Anschlussflug. Weil der Flug von Berlin nach München ausfällt, kann man den gebuchten Weiterflug nach New York nicht antreten. Ob die Lufthansa für die gesamte Reise haftet, hängt von der Buchung ab.

„Haben Sie eine einheitliche Flugleistung gebucht, muss die Airline auch für den Anschlussflug einstehen“, sagt Verbraucherschützerin Husemann. Haben Sie dagegen bei der Lufthansa die Strecke Berlin-München und anschließend bei einer anderen Airline den Flug in die USA gebucht, können Sie der Lufthansa nur den Zubringerflug in Rechnung stellen.

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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