Zurück zu alter Größe : 500.000 Menschen für CSD in Berlin angemeldet

Am 23. Juli findet das erste Mal seit zwei Jahren der Christopher Street Day ohne Einschränkungen statt. Ein Überblick über Ablauf, Route und Programm.

Zurück zu alter Größe : 500.000 Menschen für CSD in Berlin angemeldet

Tausende Menschen nahmen im vergangenen Jahr am Christopher Street Day teil.Foto: Jörg Carstensen/dpa

„Endlich kann der CSD in Berlin wieder ohne größere Einschränkungen stattfinden“, sagt Ulli Pridat, Vorstandsmitglied des Berliner Christopher Street Day, am Mittwoch bei der Pressekonferenz zur kommenden Parade. Dort wurden das Programm und die neue Streckenführung der Demonstration vorgestellt, die am 23. Juli durch die Stadt ziehen soll.

500.000 Teilnehmer:innen hat der Verein für die Veranstaltung angemeldet. Allein die 96 Trucks und die fast 80 Fußgruppen, die offiziell teilnehmen werden, deuten darauf hin, dass der CSD nach zwei Jahren Pandemie wieder zu seiner alten Größe zurückkehren könnte. 2019 sprachen die Veranstalter:innen von einer Million Teilnehmer:innen, die Polizei von 250.000.

Neu ist in diesem Jahr vor allem die Streckenführung: Statt wie bisher am Ku’damm, startet der Demozug an der Leipziger Straße, zwischen Charlottenstraße und Axel-Springer-Straße. Die Aufstellung der Wägen beginnt um 10 Uhr, die Veranstaltung beginnt offiziell um 11.30 Uhr mit Eröffnungsreden, unter anderem von Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). „Sie hat dafür extra ihren Urlaub unterbrochen, was für uns ein tolles Zeichen ist“, sagt CSD-Vorstandsmitglied Marc-Eric Lehmann.

Um 12 Uhr dann sollen sich Trucks und Fußgruppen planmäßig in Bewegung setzen und durch die Leipziger Straße Richtung Nollendorfplatz ziehen. Von dort aus geht es dann durch die Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße hoch zur Siegessäule. Die Demonstration endet am Brandenburger Tor, dort soll gegen 17.30 Uhr der erste Wagen ankommen. Das Ende der Veranstaltung ist gegen Mitternacht geplant.

Am Brandenburger Tor ist eine Bühne für das Abschlussprogramm aufgebaut. Dort treten unter anderem die Sänger:innen Wilhelmine, Ray Dalton und Alvaro Soler auf, außerdem die Hip-Hop-Künstler:innen Älice und That Fucking Sara sowie die US-amerikanische Dragqueen Lady Bunny. Es werden Vertreter:innen der Berliner Aids Hilfe, der Gruppe Queens Against Borders und der Fernsehserie „Ku’damm 56“ erwartet. „Wir haben versucht, eine runde und bunte Abbildung unserer Community zu ermöglichen“, sagt CSD-Vorstandsmitglied Monique King.

Ein besonderes Anliegen sei ihnen die internationale Ebene, betonen die Veranstalter:innen mehrfach. „Wir wollen Solidarität zeigen, gerade Richtung Osteuropa, und haben deshalb auch CSD-Organisator:innen aus mehreren Ländern zum Berliner CSD eingeladen“, sagt Ulli Pridat. Kosten für Reise und Unterbringung zahlt der Verein. Denn am Ende, bekräftigt auch Vorstandsmitglied Patrick Ehrhardt, ist der CSD eben nicht nur Unterhaltung, „auch wenn er das ebenso sein darf und soll“, sondern eine politische Veranstaltung. Das Motto dieses Jahr lautet: „United in Love! Gegen Hass, Krieg und Diskriminierung.“

Fokusthemen sind unter anderem Antirassismus und psychische Gesundheit

Dementsprechend hat sich der Verein Berliner Christopher Street Day für den ersten Berliner Pride Month, der am 28. Juni startete und mit der Demonstration am 23. Juli sein Finale finden wird, mehrere Themenschwerpunkte gesetzt: Neben Osteuropa ist das auch Antirassismus, psychische Gesundheit, Religionen und eine höhere Sichtbarkeit für weiblich gelesene, non-binäre sowie trans Menschen. Für jedes dieser Themengebiete wird es auch bei der Demonstration am 23. Juli einen eigenen Truck geben.

Mit der Erstauflage des berlinspezifischen Pride Month ist der Vereinsvorstand sehr zufrieden: „Wir haben insgesamt 40 Veranstaltungen organisiert“, sagt Ehrhardt. „In den kommenden Jahren wollen wir das Angebot weiter ausbauen, aber zum Start wollten wir erst mal auf Qualität statt Quantität setzen.“

Weil der CSD politische Themen voranbringen will, hat der Verein, gemeinsam mit einer Vielzahl von Aktivist:innen, Verbänden und Institutionen, in den letzten sechs Monaten außerdem 34 Forderungen aufgestellt, die auf der Webseite einsehbar sind und auch auf der Demonstration thematisiert werden sollen. „Wir wollten dabei von Phrasen wegkommen“, sagt Ehrhardt. „Dass queere Rechte Menschenrechte sind, sollte langsam bei allen angekommen sein.“

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Auch Coronapandemie und Affenpocken kamen bei der Pressekonferenz am Mittwoch zur Sprache. Ein Hygienekonzept hat der Verein nicht ausgearbeitet. „Wir halten uns da an die Vorgaben der Behörden – und aktuell gibt es keine“, sagt Ehrhardt. Natürlich würden sie aber empfehlen, dass man sich vor der Teilnahme bei der Demonstration auf das Coronavirus testet und nach Möglichkeit auf Abstand achtet. Was das Thema Affenpocken angeht, so gebe es auf der Webseite und den Social-Media-Kanälen des CSD Berlin eine Informationskampagne vorab, damit die Menschen sensibilisiert werden und sich entsprechend schützen.

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„Wenn die zuständigen Stellen sich außerdem mit Infoständen beim CSD aufstellen möchten, begrüßen wir das natürlich sehr“, sagt Ehrhardt. Der Verein selbst könne nicht mehr leisten und müsse auf die Eigenverantwortung der Menschen setzen. Ulli Pridat warnt in diesem Zusammenhang vor einer Stigmatisierung: „Es gibt die Fälle, besonders in Berlin, das können wir nicht weg reden. Aber wir unterstützen nicht, dass deshalb Clubs und Darkrooms schließen, die für queere Menschen Schutzräume sind.“

Am Ende noch das Wetter: Für den Fall, dass die Hitzewelle am Wochenende des 23. Juli in Berlin ankommen sollte, stehen die Veranstalter:innen in Kontakt zur Feuerwehr. Außerdem sind auf der Wegstrecke insgesamt 50 Versorgungspunkte eingeplant, auch auf den Trucks wird es Wasserversorgung geben.

 

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Eine Quelle: www.tagesspiegel.de

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